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Verwirrung


Ljungi (15) aus Berlin schrieb mir:
»Wie kommt man nur darauf, solche Seiten zu entwickeln?
Muss man sehr geistig gestört sein? Oder geht das auch ohne Verwirrung?«

Lieber L.,
Ich muß zugeben, daß deine Frage sehr interessant und nicht weniger brisant ist. Deshalb schickten sich auch schon mehrere Leser vor dir, diese Frage zu stellen. Im Gegensatz zu dir stellten besagte andere Leser sie jedoch direkt an die Redaktion, wenn nicht sogar an die Verantwortlichen dieser Seite. In jeder anderen Sache hätte ich deine Frage nun weitergeleitet, da ich mit besagter Seite eigentlich nichts zu tun habe, ich liefere lediglich die, wie ich bescheiden anmerken möchte, vortrefflichen und bravourösen Inhalte für die nach mir benannte Rubrik. Doch da du – so hat es zumindest den Anschein – dir zum Zeitpunkt der Fragestellung schon darüber im Klaren warst, daß für Seiten dergestalt, wie Sie, liebe Leser, sie hier vorfinden, ein gewisses Mindestmaß an geistigen Störungen vorhanden sein muß (und in diesem Punkt gebe ich dir vollkommen Recht), werde ich nun anstelle der Redaktion die Beantwortung der Frage selbst in die Hand nehmen.

Die Beantwortung deiner Frage ist jedoch, so muß ich zugeben, schwieriger, als ich anfangs erwartet hatte. Zunächst setzte ich mich mit der Redaktion beziehungsweise den Verantwortlichen für diese Seiten in Verbindung, um Informationen über den geistigen Zustand der »Macher«, wie man es im Neudeutschen nennen würde, zu erhalten. Leider waren diese zu meiner Verwunderung nur begrenzt, um nicht zu sagen beschränkt handlungsfähig. Man riet mir Seitens des Herausgebers, mich an die Chefredakteure zu wenden. Da ich es aus bekannten Gründen vorziehe, nicht allzu viel meiner kostbaren Lebenszeit in diesem Irrenhaus zu verbringen und den Löwenanteil meiner Arbeit von häuslichen Schreibtisch aus zu erledigen, brauchte es einen Blick auf den Raumplan. Was interessiert es mich denn auch, wo die Chefredakteure sitzen?

Allerdings mußte ich feststellen, daß mit diesem Plan weder ein Herausgeber, noch irgendein Chefredakteur aufzufinden ist. Daher zog ich es vor, einen einfachen Redakteur aufzusuchen, der mir kurz darauf in Gestalt von Aristokrates sozusagen direkt in die Arme lief. Leider konnte auch der mir keine Auskünfte erteilen, was er mit der Äußerung »Ich brauch Kaffee, schnell!« zu unterstreichen wußte.
Im Anschluß an diese Flurbegegnung beehrte ich noch einige weitere Redakteure, die jedoch allesamt nicht aufnahmefähig oder -willig waren, so genau läßt sich das im Nachhinein nicht feststellen.

Ich war schon auf dem Weg zurück zu meinem Wagen, als im Erdgeschoß Thelma, die Putze (so zumindest die offizielle Bezeichnung in Redaktionskreisen) in den Fahrstuhl zustieg. Schon fast aus Verzweiflung fragte ich auch sie nach dem geistigen Befinden der Verantwortlichen in der Chefetage, in der sie tagtäglich verkehrte (wenn auch nur nach Feierabend). Sie antwortete mir offen und ehrlich, daß »da oben alle völlig bescheuert« seien und keiner mehr wüßte, »wer eigentlich was und vor allem warum«. Gerne hätte ich ihr noch einige weitere Fragen gestellt, aber just in dem Moment, da sie mit ihrer Antwort geendet hatte, gelangte der Fahrstuhl in der Tiefgarage an und ich mußte mich notgedrungen zu meinem Wagen begeben.

Du siehst also, lieber Ljungi, daß allein schon die Beantwortung einer scheinbar so einfachen Frage schier unmöglich ist, gäbe es da nicht das freundliche Raumpflegepersonal, dem an dieser Stelle besondere Ehre zuteil werden soll.

Ich hoffe, deiner Frage in ausreichender und wie gewohnt exzellenter Weise nachgekommen zu sein. Und ich möchte dich warnen: Wenn du noch einmal so eine Frage stellst, für deren Beantwortung ich länger als acht Minuten und sechsunddreißig Sekunden (ein vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden für Psychotherapeuten errechneter Durchschnittswert) von meinem Schreibtisch entfernt agieren muß, leite ich die Frage an diese Sandy weiter! Übrigens: Das gilt für Sie, liebe Leserinnen und Leser, genauso.

Sandy beantwortete übrigens auch die letzten Fragen zu diesem Thema. Ihre knappe, aber überzeugende Antwort war jedes Mal »Häää? Was soll das denn heißen? Laß mich doch!«. Lediglich in der Anzahl und Art der Rechtschreibfehler unterschieden sich ihre Auskünfte.

Ich hoffe, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und Ihren Erwartungen gerecht geworden zu sein und freue mich bereits auf die nächste Sitzung.

Unterschrift
Ihr Therapeut



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