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Der Therapeut

Und Ihr Problem?
Zwangsneurose? Schizophrenie? Irgendwas wird doch dabei sein!
Fragen Sie
mal unseren Therapeuten.

»Hilfe, ich sollte mehr offline gehen!«


Das Internet – Ein globales Kommunikationsmittel, welches die eBay-Werbung selbst noch in die unterernährtesten Teile Afrikas trägt (sofern dort ein Internet-Anschluss vorhanden ist); ein Kommunikationsmittel, welches den Menschen ermöglicht, schmuddelige Bildchen von einem Kontinent zum nächsten zu schicken; kurz gesagt: Ein Kommunikationsmittel, welches ganze Nationen verblödet!

Das Gegenargument lautet: Internet macht Spaß! – Das stimmt, aber nur bis die Rechnung kommt. Am Ende eines Monats, bzw. zu Beginn eines neuen, schwören sich alle User (bis auf die, die eine Flatrate haben und die, die auf die Kosten des Arbeitgebers surfen) den Internetkonsum drastisch einzuschränken ... Wir alle kennen gute Vorsätze und ihre Folgen – Nach den guten Vorsätzen ist der Konsum nicht zurückgegangen, Nein! ganz im Gegenteil, die Rechnung ist sogar noch höher!

Daher bin ich für die Einrichtung eines Selbsthilfe-Forums im Internet, in dem sich User kostengünstig über die Gefahren des Internets aufklären können und sich mit anderen Usern austauschen können. Dieser (selbstverständlich anonyme) Service könnte dann Menschen helfen, die bisher keine Möglichkeit fanden, offen ihre Internet-Sucht einzugestehen.
Bei mir sind schon zahlreiche E-Mails von solchen verzweifelten Menschen eingegangen, aus einigen möchte ich an dieser Stelle zitieren.

Gertrud H. (63) aus Bremen schrieb mir:
»... Seit ich einen Internet-Anschluss besitze, kann ich mich kaum vom Bildschirm losreißen. Ich chatte nächtelang und erscheine kaum noch an meinem Arbeitsplatz (ich arbeite in einem bekannten Discounter). Mein Chef droht mir nun zu kündigen, was soll ich bloß tun?? Helfen Sie mir, ich weiß nicht mehr weiter.«

– Ja, liebe Gertrud, Sie haben ein großes Problem: Entweder weiterhin mit bärchen73, britney72635 und waschbrettbauch85 plaudern oder flirten – oder aber den Job verlieren, was auch Ihrem Zugang zum Internet ein jähes Ende setzten würde. Versuchen Sie daher, beides unter einen Hut zu bringen. Arbeiten Sie nur soviel, wie Sie für die Internetrechnung benötigen; schränken Sie Ihre Lebensunterhaltungskosten drastisch ein und ziehen Sie in ein 1-Zimmer-Appartment. Wo Ihnen mit dem Internet die ganze Welt offen steht, brauchen Sie doch keine ganze Wohnung mehr! Dadurch sparen Sie auch viel Zeit, denn ein Zimmer lässt sich schneller putzen als mehrere – die gewonnene Zeit können Sie zum Chatten nutzen.

Erstellen Sie einen persönlichen Zeitplan und finden Sie heraus, wo Sie kostbare Zeit mit Plaudereien, Besuchen und Freunden vergeuden. Haushalten Sie gut mit Ihrer Zeit, und Sie werden glücklich werden! Ihr Therapeut

Dieter S. (48) aus Hannover schrieb mir:
»... hat mich meine Lebensabschnittsgefährtin verlassen. Sie wirft mir vor, sie zu vernachlässigen und nur noch im Internet zu sein. Was gar nicht stimmt! Wenn ich nach dem Schichtdienst heimkomme, will ich mich erst einmal entspannen – und dazu gehört für mich der Computer und das Internet. Was soll ich tun?!«

– Lieber Thomas. Sie haben gar nichts falsch gemacht. Sie hatten einfach die falsche Freundin. Wenn sie Sie wirklich geliebt hätte, würde sie Sie und Ihre Wünsche mehr respektieren. Daher – machen Sie sich kein schlechtes Gewissen, haben Sie weiterhin viel Spaß beim Surfen. Wenn Sie wieder einmal Lust auf eine Beziehung haben sollten, suchen Sie sich einfach in den zahlreichen Chats eine neue Freundin!
Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft, Ihr Therapeut

Ich hoffe, auch Sie vor den Bildschirmen haben etwas aus dieser Folge mitnehmen können. Ich wünsche Ihnen viel Glück! Bis zur nächsten Sitzung!

Unterschrift
Ihr Therapeut


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