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Strahlender Kerry, enttäuschter Bush: Führungswechsel in den USA |
Der demokratische Kandidat John F. Kerry hat bei den Wahlen in den USA einen überraschenden Sieg über Präsident George W. Bush erringen können.
Nachdem Bush feststellen musste, dass auch die Neuauszählung aller Stimmen im US-Bundesstaat Ohio keine anderen Verhältnisse schaffen würde, räumte er telefonisch Kerry gegenüber seine Niederlage ein.
Zuvor hatte das Weiße Haus Bush bereits zum Sieger der Präsidentschaftswahlen erklärt. Der Stabschef im Weißen Haus, Andrew Card, verteidigte vehement, dass die Stimmauszählung in Ohio einen unaufholbaren Vorsprung für George W. Bush erbringen würde. Bush liege mit 140.000 Stimmen vor Kerry, hieß es aus dem Weißen Haus.
Aus dem Wahlkampfbüro der Demokraten war jedoch zur gleichen Zeit zu verlauten, dass John Kerry zwar nur 48,5 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte, also zweieinhalb Prozent weniger Stimmen als Bush. Jedoch läge Kerry bei den so genannten »electoral votes«, den Wahlmännerstimmen, mit 252 um gut 20 Stimmen vor George W. Bush.
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»Erwartungen nicht erfüllt«: Noch-Präsident Bush musste seine Niederlage einräumen |
Um 20:34 Uhr folgte dann der Anruf des Präsidenten bei John Kerry. Bush räumte ein, die »an uns gesetzten Erwartungen nicht erfüllt« haben zu können. Er habe eingesehen, dass die Demokraten die Wahl gewonnen haben und gratuliere Kerry daher zu dieser Leistung. Wenige Minuten zuvor hatte Bush-Berater Dan Bartlett in der Wahlkampfzentrale der Republikaner verkündet, man werde die Entscheidung, George W. Bush als Wahlsieger auszurufen, »nicht von einem Eingeständnis abhängig machen«.
In Folge der widersprüchlichen Aussagen kam es zu Verwirrung in der Bevölkerung. Als einige Fernsehsender plötzlich eigene Zahlen vorlegten und Präsident Bush als Wahlsieger darstellten, trat dieser selbst vor die Kameras. Vor hunderten Republikanern gestand er in Washington seine Niederlage ein. Im folgenden nun Auszüge seiner halbstündigen Rede.
»Ich habe heute mit Präsident Kerry gesprochen und ihn und seine Ehefrau Theresa zu ihrem Sieg beglückwünscht. Wir sprachen auch über die terroristische Gefahr in unserem Land, weil es Terroristen gibt, die unserem Land schaden wollen. Und es gibt Länder, die diesen Gangstern Unterschlupf gewähren. Ich habe mir von Präsident Kerry versichern lassen, dass er mit den Chefs dieser Länder spricht und die Probleme löst, so wie ich das Problem Saddam Hussein gelöst habe.
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Trotz Wahlniederlage von seinen Anhängern gefeiert: George W. Bush |
Wenn wir uns selbst vertrauen, werden wir es eines Tages schaffen, den Wechsel herbeizuführen. Ich verspreche euch, dass diese Zeit kommen wird. Diese Zeit wird kommen, an dem eure Arbeit und eure Wählerstimmen die Welt verändern werden. Und das ist es wert, dafür zu kämpfen. Ihr müsst euch wieder trauen, den richtigen Präsidenten zu wählen. Mein Ziel ist es, die Angstpsychosen in der Bevölkerung zu beseitigen und die stark beeinträchtigte Siegeszuversicht wiederherzustellen.
Wir haben hart gearbeitet und ich wünschte, das Ergebnis wäre etwas anders als es ist. Aber bei republikanischen Wahlen gibt es keinen Verlierer. Am nächsten Morgen wachen wir alle als Amerikaner auf.
Mit diesem Gut haben wir auch Verpflichtungen. Wir sind gezwungen, zum Wohle unseres Landes mit den Demokraten und Präsident Kerry zusammenzuarbeiten. Wir müssen in diesen Tagen eine gemeinsame Basis finden, uns gemeinsam anstrengen, ohne gegenseitige Beschuldigungen von Präsident Kerry, ohne Wut und Hass auf uns Republikaner. Amerika braucht Einigkeit. Ich wünschte, Präsident Kerry könnte alle diese Werte unterstützen.«
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Wollte sich zunächst nicht festlegen: designierter US-Präsident John F. Kerry |
Kerry zeigte sich von seinem Sieg überrascht und deutete an, erst einmal das Ergebnis der Neuauszählung in Ohio abwarten zu wollen. Zehntausende seiner Anhänger ließen sich davon aber nicht beirren und eröffneten mit einem spektakulären Feuerwerk die langersehnten Feierlichkeiten, die bis in den Morgen andauerten. Am späten Abend gab Kerry bekannt, er würde das Ergebnis akzeptieren und auf eine vollständige Auszählung der Stimmen verzichten. Wenige Stunden vorher hatte er noch in einem Satelliteninterview geantwortet, ob er sich von der Neuauszählung Chancen erhoffe: »Danke, wir sind sehr optimistisch. Ich glaube, dass ich gewinnen werde.«
Nach einem sehr turbulenten, mehrere Monate andauernden Wahlkampf haben offenbar so viele Amerikaner von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht wie nie zuvor. Erste Zahlen gehen von einer Wahlbeteiligung von über 30 Prozent aus. Möglicherweise wird damit sogar das bisher höchste Ergebnis in einer US-Präsidentschaftswahl – 32,8 Prozent vom Februar 1960 – übertroffen. Insgesamt gaben nach letzten Hochrechnungen etwa 65 Millionen Amerikaner ihre Stimme ab. Insgesamt waren 217 Millionen Amerikaner wahlberechtigt.