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Bild: Das Tagebuch des Saddam H. (3)

Das Tagebuch des Saddam H. (3)


Übersicht: Isar (Texte) // Drei Seiten Politsatire // Veröffentlicht am 20. 4. 2003 // Abstract: Im Schatten keiner Minarette: Herr H. geht auf Reisen


Vorsicht, Antiamerikanismus!
Antiamerikanismus
Dieser Text darf auf keinen Fall in die Hände von Kindern, Unmündigen und/oder Freunden bzw. Befürwortern der Bush- Administration gelangen! Teilen Sie die Existenz dieses Textes bitte umgehend schriftlich mit:
Honorable Donald H. Rumsfeld,
Secretary of Defense
1000 Defense Pentagon,
Washington, DC 20301
United States of America

Im dritten und zum Glück letzten Teil unseres mittlerweile preisgekrönten Kriegstagebuches aus dem Irak hat unser Protagonist wieder interessante Erklärungen für die Aktionen des amerikanischen Militärs parat. Und zu allem Überfluss nimmt das ganze am Ende auch noch eine überraschende Wendung. Na, das kann ja heiter werden.

Für unsere Zuschauer, die jetzt erst dazugeschaltet haben: Bitte lesen Sie auch den ersten und zweiten Teil des »Tagebuch des Saddam H.«. Dort finden Sie übrigens auch eine detaillierte Beschreibung der unglücklichen Umstände, die uns und damit auch Ihnen diese Reihe in die Hände spielten.

Dritte Woche.

Bild

Alt und gebrechlich – was
sollte dieser Mann schon Böses tun?

Sonntag, 23. März 2003:
Langsam wird es interessant. Endlich fliegen auch tagsüber Raketen auf Bagdad, das verleiht der Stadt sozusagen eine gewisse Attraktivität.
Der Feind (George W. Bush; Anm. d. Red.) versucht jetzt, nachdem er die ausweglose Lage seines Militärs erkennt hat, in seinen Fernsehansprachen meine Soldaten davon zu überzeugen, dass es besser wäre, sich zu ergeben anstatt gegen Amerika zu kämpfen. Der Kerl wird auch immer blöder. Glaubt er wirklich, dass Soldaten an der Front morgens um Neun Fox News (auf amerikanisch natürlich) schauen? Als Nächstes wird er ihnen wahrscheinlich Satellitenschüsseln versprechen, falls sie desertieren sollten. Damit sie seine selbstverherrlichenden Reden hören und sehen können, wenn der Krieg gerade mal wieder ausgefallen ist, weil die Großleinwand des amerikanischen Hauptstützpunktes in Kuwait mehr Strom frisst, als die einheimischen Kraftwerke liefern können ...
Letzte Nacht hat es meine republikanische Garde geschafft, in einem kuwaitischen Stützpunkt die Offiziere mit Handgranaten in die Luft zu sprengen. Aber wie immer hat der Feind (Amerika; Anm. d. Red.) es nicht zugeben wollen, und plötzlich war es kein Terroranschlag mehr, sondern das Werk eines Kriegers aus den eigenen Reihen, der sich von übergelaufenen irakischen Streitkräften Waffen besorgt hat. Sicher doch!

Montag, 24. März 2003:
Der Krieg wird langsam amüsant: Heute hat einer meiner Bauern mit seiner Flinte einen Hubschrauber des Feindes (Amerika natürlich; Anm. d. Red.) vom Himmel meines Landes geholt! Ein Bauer!
Vorhin hab ich Rumsfeld im Fernsehen reden hören, er sagte, dass der Helikopter landen wollte, weil die Soldaten zusammen mit der Bevölkerung den Sturz meines Regimes feiern wollten. Entweder erzählt er das mit Absicht, oder er ist wirklich so dumm ...

Dienstag, 25. März 2003:
Die Kriegsgefangenen, die wir heute den Al Jazeera-Reportern gezeigt haben, sahen nicht so aus, als ob sie zum Feiern hergekommen wären. (Weite Passagen dieses Eintrages mussten mit Blick auf die Vereinbarungen der Genfer Konvention zensiert werden; Anm. d. Red.)
Tut mir leid. Das kommt nicht wieder vor. Aber der Onkel hatte doch eigentlich Recht, oder?

Bild

Stets passend gekleidet und
unberechenbar in seinem Handeln:
Ex-Diktator Saddam Hussein

Mittwoch, 26. März 2003:
Herr Rumsfeld wollte mir doch vor ein paar Tagen Soldaten zum Feiern schicken. Dafür habe ich ihm jetzt Raketen geschickt. Gleiches mit Gleichem. Schließlich gehört zu einer vernünftigen Feier auch ein vernünftiges Feuerwerk.
Aber das haben diese amerikanischen Durchschnittstrottel mal wieder nicht mitbekommen. Deshalb haben sie gleich mit ihrem tollen Abwehrsystem meine Raketen abgeschossen! Und ein britisches Flugzeug. Aber das wollten sie natürlich nicht zugeben, deshalb haben sie gesagt, dass ich Scud-Raketen abgefeuert hätte, obwohl sie mir das verboten hatten. Aber sie können ja auch nicht einfach zugeben, dass ich damit den Briten abgeschossen hätte. Also haben sie erklärt, das Flugzeug wäre von Syrien abgeschossen worden. Mit Chemiewaffen. So langsam nimmt dieser Krieg lustige Züge an, die wissen noch gar nicht, was sie sich mit Syrien für einen Freund geholt haben ...

Freitag, 28. März 2003:
Gestern und heute haben sie wieder kräftig Bomben auf Bagdad geworfen. Deshalb bin ich auch gestern nicht zum Schreiben gekommen. Ich bin nämlich seit gestern auf der Flucht. Ich werde mich in einem großen Land verstecken, in dem niemand nach mir suchen wird. Welches Land das sein wird, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Aber Sie kennen es bestimmt. Leben Sie wohl!

Bild

Hm, ne, wir haben ihn leider
auch nicht gesehen.

Ein Schlusswort
Seit diesem Tag haben wir nichts mehr von Herrn H. gehört, aber wir werden ihm weiter hinterherforschen. Unseren bisherigen Recherchen zufolge wurde er von Augenzeugen an Bord des amerikanischen Flugzeugträgers »Theodore Roosevelt« gesehen. Diesen Berichten zufolge trug er eine amerikanische Uniform und wurde gerade mit einem Hubschrauber der US Army abgeholt. Es soll einer der Helikopter gewesen sein, die die Soldaten wieder in ihre Heimat fliegen. Die amerikanischen Soldaten wohlbemerkt. Und noch etwas: Ein Exil-Iraker, der seit zehn Jahren in Florida/USA lebt, informierte uns telefonisch, dass er vor den Toren der an sein Grundstück angrenzenden Airbase einen Soldaten gesehen habe, der in etwa so aussehe, wie der Saddam H., der seit Wochen die Nachrichten beherrscht, und nur gebrochen Englisch spräche. Er sei lachend mit drei Begleitern, die alle wie Personen der amerikanischen Führungselite aussehen, in einem amerikanischen Armee-Jeep davon gefahren. Und alle vier sollen, so berichtet unser Informant, umgedrehte amerikanische Flaggen auf ihren Uniformen gehabt haben. Wir können uns da keinen Reim drauf machen. Aber wahrscheinlich sind das sowieso alles nur Gerüchte.

Und noch etwas: Uns wurde von diversen Personen vorgeworfen, dass dieses Ende überhaupt nicht passen würde, weil es unter anderem total witz- und niveaulos wäre.
Das können wir bestätigen. Wir finden jedoch, dass dieses Ende ein weiterer Beweis für den Wahrheitsgehalt des Textes ist. Denn wer sollte sich schon so etwas dummes ausdenken?
Na also.

Aus dem Amerikanischen von Isar.


(Sie lasen: Drei Seiten Politsatire von Isar.)

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