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Bild: Das Tagebuch des Saddam H. (2)

Das Tagebuch des Saddam H. (2)


Übersicht: Isar (Texte) // Drei Seiten Politsatire // Veröffentlicht am 24. 3. 2003 // Abstract: UND-Kolumnist Saddam H. ist im Krieg. Nicht nur mit den USA


Vorsicht, Antiamerikanismus!
Antiamerikanismus
Dieser Text darf auf keinen Fall in die Hände von Kindern, Unmündigen und/oder Freunden bzw. Befürwortern der Bush- Administration gelangen! Teilen Sie die Existenz dieses Textes bitte umgehend schriftlich mit:
Honorable Donald H. Rumsfeld,
Secretary of Defense
1000 Defense Pentagon,
Washington, DC 20301
United States of America

Auch im zweiten Teil unserer Reihe »Das Tagebuch des Saddam H.« verhält sich unser Protagonist nicht gerade freundlich gesinnt gegenüber den Beamten der Weltpolizei. Und es kommt zu entscheidenden Ereignissen, die die Welt verändern könnten. Aber lesen Sie doch selbst ...

Für unsere Zuschauer, die jetzt erst dazugeschaltet haben: Bitte lesen Sie auch den er(n)sten Teil des »Tagebuch des Saddam H.«. Dort finden Sie übrigens auch eine detaillierte Beschreibung der unglücklichen Umstände, die uns und damit auch Ihnen diese Reihe in die Hände spielten.

Zweite Woche.

Sonntag, 16. März 2003:
KRIEG! Wir haben jetzt Krieg!
Naja, zumindest habe ich schon mal den Kriegszustand ausrufen lassen. Da kann man ja nie vorsichtig genug sein, außerdem kann man gar nicht früh genug damit anfangen. Jetzt leiten meine Verwandten und besten Freunde das Land. Moment mal – was mache ich dann eigentlich noch? Diese Verräter! Die sind alle so gut wie tot! Und der Feind (Keine Ahnung, wen er da meint; Anm. d. Red.) auch!
(Anm. d. Red.:Der restliche Beitrag besteht ausschließlich aus Todesdrohungen und Kriegserklärungen an Personen des öffentlichen Lebens, George W. Bush, sämtliche proamerikanischen Regierungen, die westliche Welt sowie einige Großindustrielle und die arabische Liga.)

Montag, 17. März 2003:
Heute ist eigentlichen nichts wichtiges passiert. Dieser Bush hat mich mal wieder zur Kapitulation aufgefordert und ins Exil schicken wollen, aber das lasse ich nicht mit mir machen! Soll er doch kommen, der wird sich noch wundern!

Bild

Zauberhafter Sonnenuntergang bei 2.600 Grad
im Schatten: Liebesgrüße aus Bagdad

Dienstag, 18. März 2003:
Irgendetwas wird passieren. Ich spüre es. Auf einmal verlassen alle Journalisten fluchtartig das Land, die Botschafter sind auch schon längst weg.
Ach, wenn ich doch nur wüsste, was der Feind (Amerika; Anm. d. Red.) im Schilde führt ...

Mittwoch, 19. März 2003:
Bald wird es so weit sein, das ist sicher. Das ganze Land ist nun vom Feind (amerikanischen Truppen; Anm. d. Red.) umstellt worden. Und er (der Feind, George W. Bush; Anm. d. Red.) hat mir schon wieder ein neues Ultimatum gestellt: Ich soll innerhalb von Vierundzwanzig Stunden mit meiner Familie das Land verlassen, noch mal würde der Feind (Amerika; Anm. d. Red.) mir keine Chance geben. Hah! Das ist doch lächerlich! Und selbst wenn! Meine Truppen werden alle Feinde schlagen, gleich, ob schwarz oder weiß, amerikanisch oder christlich! In acht Stunden wird auch dieses Ultimatum verstreichen, hoffentlich machen sie dann endlich ihre Drohungen wahr!

Bild

Freut sich über die gelungene
Überraschung: Protagonist Saddam H.

Donnerstag, 20. März 2003:
HURRA, ENDLICH KRIEG!
So lange haben wir darauf warten müssen! Ich hatte schon befürchtet, der Feind (Amerika oder George W. Bush, das wissen wir auch nicht so recht; Anm. d. Red.) würde mir wieder eine »letzte Chance« geben, wie er (also doch George W. Bush; Anm. d. Red.) es nennt. Gut, dass es nicht so weit kommen musste.
Mitten in der Nacht schlugen die ersten Raketen in Bagdad ein. Natürlich wurde nichts wichtiges getroffen, das war ja von vornherein klar. Wenn ich das richtig verstanden habe, waren es zwei Schulen, ein Krankenhaus und mehrere Wohnhäuser. Aber ganz sicher bin ich mir nicht, vielleicht waren es auch drei oder vier Schulen und mehrere Krankenhäuser.
CNN hat eine Schule übrigens als »Kommandozentrale« ausgegeben. Und heute Nachmittag sind die ganze Zeit Truppen vom Feind (Amerika; Anm. d. Red.) in Land gekommen. Die meisten im Südwesten, wo sowieso nie was los ist. Der Feind (George W. Bush; Anm. d. Red.) hat im Fernsehen gesagt, dass der Krieg keine drei Tage dauern würde. Der wird sich noch wundern!

Freitag, 21. März 2003:
Die Raketenangriffe gehen weiter. Aber das interessiert hier im Land eh keinen. Schließlich will Amerika nur das Öl und den Diktator.
Moment mal, der Diktator bin doch ich?! Ich werde Morgen den Feind (George W. Bush; Anm. d. Red.) anrufen! Was denkt der sich eigentlich?!
Als ich vorhin das CNN-Programm in Angriff genommen habe, kamen Bilder von Soldaten, die kapitulierten. Der Sprecher sagte, dass es »irakische Soldaten im Süden des Landes« wären«, die sich da ergeben würden. Alles Unsinn! Im Süden gibt es überhaupt keine Soldaten, die sind ja alle in Bagdad und so stationiert! Wahrscheinlich haben die Soldaten des Feindes (Ihnen ist ja wohl klar, wen er da meint, oder? Gut, uns nämlich nicht; Anm. d. Red.) die Bevölkerung beschossen und die hat sich dann natürlich ergeben.
Bild

Endlich mal was Ordentliches
im Fernsehen!

Einen riesigen Vorteil hat der Krieg ja: So viele Besucher wie jetzt hatte ich noch nie auf meiner Website. Kein Wunder, wenn mein Bild jetzt überall im Fernsehen und in den Zeitungen ist. Diese Kriege sind wirklich nützlich. Warum habe ich das nicht schon viel früher wieder gemacht?

Samstag, 22. März 2003:
Ich habe versucht, den Feind (George W. Bush; Anm. d. Red.) anzurufen, aber es war andauernd besetzt. Man könnte denken, dass so ein amerikanischer Präsident mehr als nur ein Telefon hat ... Aber vielleicht will er ja gar nicht angerufen werden.
Heute sind auch endlich mal Bomben auf Bagdad gefallen. Wurde auch Zeit, meine Soldaten wurden langsam unruhig. Und die ständigen Raketeneinschläge wurden auf die Dauer auch ziemlich eintönig.
Der Feind (Amerika; Anm. d. Red.) spielt mit unfairen Mitteln: Meine Generäle haben mir versichert, dass meine Soldaten mehrere amerikanische Flugzeuge und Hubschrauber abgeschossen haben, darauf schwören sie bei ihren Erstgeborenen! Aber der Feind behauptet, dass das mit den Hubschraubern alles Unfälle gewesen seien. Und von den Flugzeugen sei bisher jedes zurückgekehrt. Aber uns können sie nicht belügen. Mein Volk weiß, dass auf amerikanische Technik Verlass ist. Die Flugabwehrgeschütze, die uns der alte Bush damals dagelassen hat, funktionieren immer noch tadellos.

Ein paar Fernsehsender wie Al Jazeera haben berichtet, dass die Türken im Norden einmarschiert seien. Angeblich wegen des Öls. Oder um zu verhindern, dass die Kurden dort eine Separatistenbewegung in die Türkei tragen.. Schade, mit denen hatte ich noch so viel vor ... Aber es ist auch egal. Ich will nur mein Bagdad behalten, der Rest ist mir gleich.

Wird weiter fortgesetzt.

Aus dem Amerikanischen von Isar.


(Sie lasen: Drei Seiten Politsatire von Isar.)

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