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Bild: Das Tagebuch des Saddam H. (1)

Das Tagebuch des Saddam H. (1)


Übersicht: Isar (Texte) // Vier Seiten Politsatire // Veröffentlicht am 17. 3. 2003 // Abstract: Neue Serie: Saddam H. schreibt beim UND-Magazin


Vorsicht, Antiamerikanismus!
Antiamerikanismus
Dieser Text darf auf keinen Fall in die Hände von Kindern, Unmündigen und/oder Freunden bzw. Befürwortern der Bush- Administration gelangen! Teilen Sie die Existenz dieses Textes bitte umgehend schriftlich mit:
Honorable Donald H. Rumsfeld,
Secretary of Defense
1000 Defense Pentagon,
Washington, DC 20301
United States of America

Fernab von jeder Zivilisation gibt es ein Land, in dem weder Milch noch Honig fließen. Dafür könnte es in diesem Land in nicht allzu ferner Zukunft sehr heiß werden. Sehr, sehr heiß. In diesem Land leben, trotz der eingangs beschriebenen touristischen und kulinarischen Unattraktivität, eine ganze Menge Menschen. Und einer dieser Menschen ist glücklicher als alle anderen zusammen. Vielleicht, weil er eine ganze Menge Geld hat. Und Autos. Und Paläste. Und noch andere Annehmlichkeiten.

Aber vielleicht ist er auch nur deshalb so besonders glücklich, weil er mehr Macht hat als alle anderen Menschen zusammen. Er hat nämlich die Macht über alle anderen Menschen in diesem Land.
Dieses Land heißt Irak. Und dieser Mensch – es dürfte niemanden wundern, dass er ein Mann ist – scheint wohl der Herrscher dieses Landes zu sein. So genau weiß das niemand. Nicht mehr. Früher gab es einige Menschen (vor allem Männer), die das wussten. Aber irgendwie sind die jetzt alle tot.

Bild

Welch ein Diktator!

Naja, wie auch immer. Dieser Kerl, nennen wir ihn Saddam H., schreibt Tagebuch. »Toll«, werden Sie jetzt sagen, »das ist aber spannend!« Und wie Recht Sie haben! Es ist wirklich nicht die Bohne interessant oder gar spannend. Naja, es wäre wohl nicht sonderlich spannend. Aber zufälligerweise hat dieser Mann eine ganze Menge Feinde. Und auch das dürfte Ihnen jetzt eigentlich wieder herzlich egal sein. Wäre nicht einer dieser Feinde ein ganz berühmter (öh ... na ja, sagen wir »bekannter«) Präsident eines noch ber..., bekannteren Ladens.
So, langsam reicht es mir. Jetzt noch mal verständlich: Saddam H., der derzeit größte Feind von Mr. Bush, hat sich im gegenseitigen Einvernehmen dazu bereiterklärt, ... UND? sein privates Tagebuch zur Verfügung zu stellen. Falls Sie jetzt denken, dass es unmöglich sei, dass ein so unbedeutendes, billiges Magazin an die Tagebücher einer so bekannten Politgröße käme, versuchen Sie doch mal, sich an die Sache mit den Hitler-Tagebüchern zu erinnern.

In seinem Tagebuch notiert Herr H. alle Erlebnisse, Gedanken und Gefühle (falls vorhanden), die ihm im Laufe eines Tages in die Quere kommen. Auszugsweise werden wir Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, diese nun zugänglich machen. Das heißt, dass wir alle nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Inhalte nach dem Kopf-oder-Zahl-Verfahren ausfiltern. Übrig bleibt dann noch jede Menge antiamerikanisches Gedankengut, wie Sie es schon von ... UND? gewohnt sein dürften.


Erste Woche.

Sonntag, 9. März 2003:
Ich glaube, Herr Blix trifft sich abends mit meiner Frau Rhakzha. Dieses elende Schwein! Ich werde sie morgen erschießen lassen.
Vorhin hat mir ein Palastdiener gesagt, der Feind (Amerika ist gemeint; Anm. d. Red.) schießt im Süden auf meine Soldaten! Ich habe meinen Sicherheitsoffizier angewiesen, im Weißen Haus anzurufen. Dort sagte man ihm, dass die Flugzeuge die Kooperation sichern würden. Das leuchtet ein.
Ich habe anordnen lassen, alle Soldaten, die unverwundet die Angriffe überleben, hinrichten zu lassen. Warum ich das tue, hat mich ein Berater gefragt. Ich sagte ihm, dass nur gekämpft hat, wer verwundet ist.
Auch er wurde erschossen.

Bild

Jung und dynamisch:
Frauenheld Saddam H.

Montag, 10. März 2003:
Rhakzha ist plötzlich verschwunden! Als ich heute Morgen nach ihr rufen ließ, war ihr Palast wie leergebombt. Auch einer dieser amerikanischen UN-Jeeps fehlt. Vielleicht hat Herr Blix Wind von der Sache bekommen. Egal. Dann lass ich eben eine andere hinrichten.
Mein Kriegsminister hat mir unterdes berichtet, dass alle Soldaten im Süden des Landes plötzlich verwundet seien. Ich weiß zwar nicht, was da los ist, aber ich werde aus jeder Division die vier schlechtesten Kämpfer als Beispiel exekutieren lassen. Der Feind (George W. Bush; Anm. d. Red.) lässt mir keine andere Wahl!
Um drei Uhr hat Mr. Rumsfeld hier angerufen. Der verfluchte Idiot hat mich aus der Einweihungsfeier für einen neuen Palast geklingelt! Das wird er bitter bereuen! Morgen werde ich wieder ein bisschen Milzbrand nach Amerika schicken lassen.

Dienstag, 11. März 2003:
Einer von diesen Inspektoren hat sich das Leben genommen, weil er nach Ablauf der Frist, die ihm die UN gestellt hat, immer noch keine verbotenen Waffen finden konnte. Er hat einen Brief für seine Frau und seine Kinder dagelassen. Dann kamen auf einmal Reporter nach Bagdad. Die anderen Inspektoren haben geweint. Sie haben den Reportern gesagt, dass er bei einem Autounfall gestorben sei.

Mittwoch, 12. März 2003:
Der Feind (das Pentagon; Anm. d. Red.) will uns jetzt mit einer neuen Bombe Angst machen. Aber ich lasse mich nicht einschüchtern! Ich habe nichts Verbotenes getan!
Sie nennen ihre neue Waffe MOAB, für »Mother Of All Bombs«. Pah! Die werden sich noch wundern! Wenn ihre Soldaten erstmal das Gas irakischer Präzision schnuppern, wird ihnen der Patriotismus schon vergehen!

Donnerstag, 13. März 2003:
Heute hat der Feind persönlich (George W. Bush mal wieder; Anm. d. Red.) bei mir angerufen. Er sagte, ich solle endlich ins Exil gehen, langsam würde der Spaß zu Ende sein. »Der Spaß fängt doch gerade erst richtig an«, erwiderte ich. Dann legte er auf. Zwanzig Minuten später flogen Flugzeuge wieder Angriffe auf Bagdad. Bei CNN haben sie berichtet, der Feind hätte Morddrohungen von mir gekriegt. Und dann haben sie ein Video von mir und Bin Laden gezeigt.

Bild

Widersacher Bush und Blair.
Nicht im Bild: Ein Konzept.

Freitag, 14. März 2003:
Der Feind (schon wieder George W. Bush; Anm. d. Red.) hat eine Rede gehalten. Mal wieder. Nachdem er mich in seiner Rede verurteilt und als das Böse der Welt bloßgestellt hatte, hab ich ihn angerufen. Ich hab ihm gesagt, dass er sich mal selber reden hören sollte. Daraufhin antwortete er nur »Das tue ich. In jeder freien Sekunde meines Lebens!« und legte auf.
Zehn Minuten später rief er mich dann an. Er erzählte irgendetwas von »Vergeltung« und dass ich den Fernseher anschalten sollte. »Welchen?«, fragte ich. »Den größten.« Alle amerikanischen Nachrichtensender zeigten gerade Bilder von brennenden Flugabwehrgeschützen. Von brennenden irakischen Flugabwehrgeschützen.

Samstag, 15. März 2003:
»Amerika ist ein Fehler«, sagte mal so ein Europäer. Ich weiß zwar nicht, wie er das meinte, aber ich sehe das genauso. Noch eine Woche halte ich das nicht aus! Diese Inspektoren machen mir noch meine ganzen Fabriken kaputt! Wenn die nicht bald was finden, lasse ich sie alle hinrichten! Langsam reicht es mir! Morgen lege ich ihnen eine Spur, damit die mich mal in Ruhe lassen! Oder weiß ich was! Ich will doch nur meine Ruhe haben!

Wird fortgesetzt.

Aus dem Amerikanischen von Isar.


(Sie lasen: Vier Seiten Politsatire von Isar.)

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