... UND? – Das letzte Satiremagazin
Navigation
Startseite anzeigen Startseite Satiren anzeigen Satiren Therapien anzeigen Der Therapeut Cartoons anzeigen Nett: Cartoons Mitschnitte anzeigen Mitschnitte Specials anzeigen Specials Biografien anzeigen Biografien Autorenzitate anzeigen Autorenzitate Pressestimmen anzeigen Pressestimmen Satire schreiben Satire schreiben Impressum anzeigen Impressum
Suche
Suchen bei ... UND?
Im UND-Maga- zin suchen:
Letzte Hilfe
Themenbild
Satiren zu fies? Hintergrund zu rot?
Die Rettung naht! Hier klicken und aufraffen.
Besucher
Pixelgrafik: Kleine Hütte mit der Aufschrift »U.N.D.«
Zur Zeit werden 117 Leser und Fans bei ... UND? gezählt.
Große Serie
Tierbild mit einem ganz süßen Koalabär
Tierbilder gucken? Hier klicken!
Autorenzitat
Themenbild
Paul:
»Das kannst du als Zitorenautat aufschreiben: Ich bin die Kirchenmaus Karoline.«

Bild: OrtsamtBremenWest oder so

OrtsamtBremenWest oder so


Übersicht: Die Redaktion (Texte) // Vier Seiten deutsche Eigenheiten // Veröffentlicht am 15. 3. 2003 // Abstract: Reality-Doku: Zwei UNDRedakteure besuchen ein Bremer Ortsamt


Die folgende Reality-Dokumentation ist wahr. Absolut wahr. Und wer daran jetzt noch zweifelt, der wird nach dem Lesen dieser Geschichte nicht mehr zweifeln, denn so etwas Sadistisches kann sich niemand ausdenken.
Diese Dokumentation beginnt damit, dass sich Paul und Yoshi zum Ortsamt Bremen-West begeben.


Die Ortsämter Bremens zeichnen sich von außen durch ein deutliches Understatement aus. Meist ehemalige Schulen, abgewetztes Linoleum und ebensolches Mobiliar, alles in den selben, undefinierbaren Farben gehalten: eine Mischung aus Braun, Orange, Schlammgrün oder einfach nur Grau.

Das Ortsamt Bremen-West besitzt rein äußerlich etwa die anheimelnde Atmosphäre des Palastes der Republik (wenn das Ortsamt auch aus einer anderen Stilepoche stammt). Drinnen kommt es noch viel schlimmer ...

12:32 – Betreten des Gebäudes. Bemerken folgenden Schildes: »Aus personellen Gründen arbeitet die Meldestelle heute nur mit einer Notbesetzung. Wir bitten um Verständnis.«
O-Ton Yoshi: »Na, das kann ja heute noch lustig werden.«
O-Ton Paul: »Was? Immer noch? Das hing schon vor einer Woche hier!«

12:34 – Suchen des Wartezimmers. Ziehen der Wartenummer: 702. Derzeit an der Reihe: 656.
O-Ton Paul: »Jesus, come alive!«
O-Ton Yoshi: »Yeahaw!«

12:35 – Begutachten der Räumlichkeiten. Kaputte Stühle, kaputtes Linoleum, aufgeschlitzte Sitzbezüge. Yoshi und Paul versuchen, eine angemessene Beschreibung für die dominierenden Farben zu finden. Das Unternehmen scheitert an den irritierten und irritierenden Blicken von anderen auf dem Flur umherwandelnden Wartenden.

Bild

Die graue Starre der Bremer
Ortsämter. Hier wird Service groß
geschrieben: Den Strick erhalten Sie
an der Information, Hinweise zum
richtigen Knoten hängen auf den
Fluren aus

12:36 – Lesen der zahlreich vorhandenen Hinweisschilder auf dem Flur: »Liebe Bürger/innen. Wir bitten Sie sich in das Wartezimmer zu begeben. Der Flurbereich dient nicht als Wartezone. Er muss aus Sicherheitsgründen (handschriftliche Bemerkung eines Wartenden: »Wie bitte???«) freigehalten werden. Ihre Meldestelle West.«
O-Ton Paul: »Bei denen ist was kaputt.«
O-Ton Yoshi: »Aber hallo.«

12:30 – Die Nummer 662 wird aufgerufen.

12:40 – Die Vertreter des UND-Magazins finden das Wartezimmer. Es folgt eine eingehende Betrachtung der liebevoll arrangierten Dekor-Gegenstände auf der Fensterbank: a) ein Gartenzwerg aus Plastik, b) ein Gartenzwerg aus Plastik und c) ein Bierhumpen aus Steingut, bestückt mit drei Kunststoff-Rosen. (Präzisierung: Auf dem Bierhumpen sind einige der Wahrzeichen der Stadt Bremen abgebildet.)

12:45 – Schweigendes Warten. Die Nummer 663 wird aufgerufen.

12:47 – Die Redakteure verlassen den Warteraum und begeben sich vorschriftswidrig auf den Flur. Man bemerkt neben den Türen der Amtstuben Schilder. Eines trägt die Inschrift »Ausweis- und Passabholung sowie allgemeine Auskünfte im Treppenhaus am Informationsschalter.«. Ein anderes: »Hier kann Ihnen geholfen werden. Ausgabe von Reise-Pässen/Personalausweisen. Information, Auskunft, Beratung.« Gleich daneben: »Kein Zutritt.«
O-Ton Paul: »So was versteht man unter »Bürokratie«, oder?«
O-Ton Yoshi: »Die sollten sich mal im Treppenhaus darüber beraten.«

12:48 – Die Nummer 665 wird aufgerufen.

12:49 – Entziffern von unleserlichen handschriftlichen Aushängen.

12:50 – Entdecken der handschriftlichen Notiz neben der »Wartemarken-Ausgabe«: »Achtung! Hier bitte BON-Nummern nehmen. (Richtungsweisender Pfeil.) Ausnahmen: Ausweis- und Passabholung sowie allgemeine Hinweise im Treppenhaus am Informationsfenster. – Dann bitte keine BON-Nummer entnehmen.«

12:52 – Aufrufen der Wartenummer 666.
Bild

Der Zutritt zu den Amtsstuben mit
leeren Türschildern ist Beamten der
Besoldungsklasse A9 vorbehalten


12:55 – Bemerken des Schildes: »Bitte halten Sie Ihre An-/Um-/Abmeldung ausgefüllt bereit! DANKE!«
O-Ton Paul: »Als würde man hier mal überraschend drankommen.«
O-Ton Yoshi: »Jedenfalls hat man genügend Zeit zum Ausfüllen.«

12:56 – Immer noch Nummer 666. »Besuchertoiletten befinden sich außerhalb des Gebäudes neben der Turnhalle.«

12:57 – Lesen der Schilder am Getränkeautomaten mit der umwerfenden Auswahl »Kaffee«, »Heiße Getränke«. Darunter: »Keine Restgeldrückgabe.« Und: »Automat ist bereits auf Euro umgestellt.«

12:59 – »Sozialraum – Nur für Bedienstete.« Es stellt sich die Frage: Sind die Besucher alle un- oder gar asozial?

13:00O-Ton Paul: »Gibt's auf solchen Ämtern nicht regelmäßig Amokläufe aus Verzweiflung?«

13:02 – Paul beginnt, den Flur auf und ab zu marschieren.

13:03 – Nummer 673. Paul: »Schade, dass ich keine genagelten Sohlen habe, das würde hier auf dem langen Flur akustisch schön zur Geltung kommen.«

13:05Yoshi: »Guten Tag, wir kommen von einem namhaften Privatmagazin und würden Ihnen gerne ein paar Fragen zum Service auf diesem Amt stellen.«

13:06 – Nummer 676.

13:08Paul: »Zum DDR-Charme fehlt hier eigentlich nur das Honecker-Bild an der Wand.«

13:10 – Nummer 683. Entdecken des Graffitis »Wie lange noch?«.

13:12 – Nummer 686.
O-Ton Yoshi: »Nett ist auch, fünf Wartenummern auf einmal zu ziehen und die dann wegzuwerfen.«
Paul: »Wieso nur fünf?«

13:16 – Nummer 696.
O-Ton Yoshi: »Früher (gemeint ist 1933-1945) waren hier Gitter vor den Fenstern.«
Paul: »Heute überlegt man, sie wegen der Suizidgefahr wieder anbringen zu lassen.«

13:19O-Ton Paul: »Hier könnte man gut eine Film-Doku über die DDR und ihre menschenverachtenden Methoden drehen.«
Yoshi: »Die Ausgaben für Gebäude und Requisiten wären praktisch gleich Null.«

13:21 – Nummer 694.
O-Ton Paul: »Wieso gucken die Menschen nicht glücklicher, wenn Sie aus den Amtsstuben wieder herauskommen?«

13:23 – Nummer 694.
Feststellung: Die Heizungen lassen sich maximal auf Stufe drei herunterregeln.
O-Ton Paul: »Da gehen sie hin, unsere Steuergelder.«

Bild

Auf unseren
Bericht hin wurde
nachgerüstet

13:24O-Ton Paul: »So ähnlich wie hier sah wohl auch das Gestapo-Hauptquartier in Berlin aus ... es fehlen nur die Wärter und der Galgen im Hof.«
Yoshi: »Den haben die Engländer entfernen lassen.«

13:25 – Vor den Fenstern befinden sich große Dornenbüsche. Wohl damit niemand fliehen kann.

13:26 – Nummer 694.

13:27 – Nummer 695.
O-Ton Paul: »Hier werden freie Menschen gebrochen.«

13:29 – Nummer 697.
O-Ton Yoshi: »Diese Fenster sind ja hoch! Stimmt, man muss ja auch aufrecht durchpassen.«

13:30 – Nummer 700. Spannung baut sich auf. Yoshi beginnt, die Flure zu vermessen.

13:31 – Nummer 701. Paul wird sichtlich nervös.

Bild

Diese so genannten
»BON-Nummern« haben
schon so manche
Existenz vernichtet

13:32 – Nummer 702. Die Redakteure betreten die entsprechende Amtsstube.

13:33Beamtin: »Welche Augenfarbe?«
Paul: »Öhm ... was würden Sie sagen?«

13:33 – Paul unterschreibt ein Formular nach dem anderen. Yoshi lauscht an Nachbarschreibtischen bei Telefongesprächen und notiert sich »für Marketingzwecke« Telefonnummern.

13:34Beamtin: »Das dauert jetzt sechs Wochen.« Paul (gefasst): »Okay«.

13:34 – Wieder auf dem Flur.
O-Ton Paul: »Meine Güte! Und dafür über eine Stunde warten ... für nicht mal siebzig Sekunden!«

13:38O-Ton Yoshi (beim Verlassen des Gebäudes, schön laut, damit es auch alle Wartenden hören können): »So, das ging ja schön schnell. Fünf Minuten Wartezeit und schon sind wir wieder draußen. Man muss halt nur das passende Kleingeld parat haben.«

13:39Paul: »Wir haben unsere Zeit nicht gestohlen. Aber die da drinnen!«

13:40Paul (zu einem Herrn, der gerade im Begriff ist, das Ortsamt zu betreten): »Hoffentlich haben Sie Zeit mitgebracht.«

Soweit zu den Bremer Ämtern. Das Warten hatte sich übrigens nicht einmal gelohnt, da ein Formular fehlte. Gelohnt hat es sich höchstens in Hinsicht auf das UND-Magazin.


Ebenfalls von der Redaktion:

Bild: Die Herrschaft der 1.000 Tage

Die Herrschaft der 1.000 Tage
Drei Jahre zwischen Zäsur und Zensur: ... UND? festigt die Macht

> text anzeigen
Transparenter PixelBild: Warum so lange keine Satiren erschienen

Warum so lange keine Satiren erschienen
Nach längerer Abstinenz melden wir uns zurück zum Dienst

> text anzeigen

Disclaimer / Rechtliche Schutzbestimmungen:
Alle Texte und alle übrigen Inhalte auf dieser Seite sind frei erfundene Begebenheiten, wahre Geschehnisse oder Ereignisse, die leicht abgewandelt wurden. Welche Inhalte frei erfunden sind und welche nicht, spielt für den Leser keine Rolle. Jegliche Ähnlichkeiten mit (noch) lebenden, sterbenden, toten, verwundeten, schlafenden oder dementen Personen sind voll und ganz beabsichtigt. Wer aufgrund seines Gewissens, seines Alters, seiner Religion, seiner Herkunft, seiner Ideologie, seiner Staatsangehörigkeit oder seiner Intelligenz die Inhalte dieser Seite anstößig findet, sollte diese Seite sofort verlassen. Beschwerden, Leserbriefe, Fanpost, Hinweise etc. können nur schriftlich entgegengenommen werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Copyright 2000-2010 UND-Magazin Deutschland. Alle Rechte etc. vorbehalten.
Programmhinweis
Themenbild
Immer noch nicht zensiert:

Russische Beobachtungen

Bild: Russische BeobachtungenWie viel Promille hat ein toter Russe bei Abschluss des Gärverfahrens?
> text anzeigen
Artverwandtes
Weitere Satiren praktisch zum gleichen Thema:

Sommer, Sonne, Sylt

Bild: Sommer, Sonne, SyltSie liegen am Strand und es regnet ohne Unterlass. Schön, nicht?
> text anzeigen
Konfliktpotenzial
Gesellschafts- spiele, Tee und Drogen

Bild: Gesellschaftsspiele, Tee und Drogen»Kind, es ist nun an der Zeit, mit dir Gesell- schaftsspiele zu spielen!«
> text anzeigen
Lächeln des Monats
Stimmen zu ... UND?
Themenbild
»Grausam.«
– Paul Tiefenthal