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Bild: Der Krieg der deutschen Massenmedien

Der Krieg der deutschen Massenmedien


Übersicht: Tacheles (Texte) // Zwei Seiten Kommentar // Veröffentlicht am 20. 3. 2003 // Abstract: Der 11. September entzweit die deutschen Medien.


Vorsicht, Antiamerikanismus!
Antiamerikanismus
Dieser Text darf auf keinen Fall in die Hände von Kindern, Unmündigen und/oder Freunden bzw. Befürwortern der Bush- Administration gelangen! Teilen Sie die Existenz dieses Textes bitte umgehend schriftlich mit:
Honorable Donald H. Rumsfeld,
Secretary of Defense
1000 Defense Pentagon,
Washington, DC 20301
United States of America

Am 11. September haben alle Amis geweint. Aber nicht nur die – auch viele Jugendliche und politisch Ungebildete hierzulande griffen zum Taschentuch, weil die Medien dazu aufriefen. Was folgte war ein unbeschreiblicher Boom von Feuerwehrartikeln und anderen Erinnerungsstücken an »den Tag, der die Welt veränderte«.

Mir war von Anfang an klar, dass der Anschlag für Amerika eine Kriegserklärung und für ein paar Terroristen das Ende ihrer Karriere bedeuten würde. Osama Bin Laden war schuld. Sofort tauchten im Internet Witzbilder über ihn auf. Alle waren gegen Osama.
Bild

Deutschlands
Medienlandschaft
gießt Öl ins
moralische
Kreuzfeuer
Amerikas

Die Amis haben Bomben und Hilfspakete über seiner Höhlenfestung abgeworfen, aber seine Leiche wurde nie gefunden.

Auf einmal geht's gegen Saddam. Plötzlich ist er an allen schuld. Er gefährdet die nationale Sicherheit der USA und damit auch die der Welt. Aber irgend so ein Verein, der sich »Vereinte Nationen« nennt und UN abgekürzt wird (paradox, nicht wahr?) will den Amis ihren Krieg gegen das Böse der Welt einfach nicht erlauben.
Die Amis wissen aber, dass sie die ganze Welt sowieso unter Kontrolle haben. Und schon geht's mit ein paar gekauften Entwicklungsländern und dem Schoßhündchen Blair los – schließlich brauchen die Amis Öl, um ihre vierzig- Liter- Autos betreiben zu können. Aber nein, ein Land, das Atomwaffen besitzt (kann ja nur Frankreich sein, die anderen zählen nicht) sagt »Nö zum Krieg!«.

Die Deutschen Idioten haben sich eh schon alle Türen zu gemacht, weil sie andauernd nur Nein sagen konnten: Nein zum Krieg, Nein zu Atomwaffen, Nein zum NPD-Verbot, Nein zum Frieden. Wie soll das nur weitergehen?

Ganz einfach: Bush macht Stimmung gegen die UN. In Bushs Amiland gibt es schon Schützenvereine (so was wie Kindergärten bei uns, nur mit Waffen), deren Mitglieder durchgestrichene UN-Logos auf T-Shirts tragen. Natürlich stehen auch so ziemlich alle rechten Organisationen zu, wenn nicht sogar für Bush. Und weil das nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland so ist, sehen die Medien tolle Gelegenheit, den Krieg zu Geld zu machen.

Bild

Hat keine Argumente, braucht
allerdings auch keine:
US-Populist Bush

Das funktioniert sogar so toll, dass es möglich ist, mittendrin um 180 Grad zu drehen und auf einmal Stimmung gegen die Amis zu machen. Natürlich wie gewohnt ohne politische Tiefe.

Saddam hat natürlich Massenvernichtungswaffen und seine Söhne, Brüder, Schwestern, Frauen, Väter und Mütter auch. Und Bush ist schon voller Vorfreude über seinen grandiosen Plan, an den Deutschen Rache zu nehmen: Wenn die ganzen Flüchtlinge nach Deutschland kommen und dort von Sozialhilfe leben, obwohl sie nicht ein einziges Wort Deutsch können, sieht sich Mr. Bush aus sicherer Entfernung an, wie die ganze soziale Marktwirtschaft in Deutschland den Todesstoß bekommt und zusammenbricht.

Und dann geht es erst richtig los: Amerika kann wieder mit der freien Marktwirtschaft kommen und den wirtschaftlich sich am Boden festkrallenden Deutschen weiter den American Way of Life anerziehen – MTV, RTL und die BILD-Zeitung werden nach einer viel versprechenden Gewinnbeteiligung schnell vergessen haben, was im »Krisenjahr 2003«, wie es in den Geschichtsbüchern der Zukunft stehen wird, geschehen war. Und wieder sind die Amis für politisch ungebildete (also 80 Prozent der Bevölkerung) das, was sie mal waren: Vorbild für alles.


(Sie lasen: Zwei Seiten Kommentar von Tacheles.)


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