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Gut gemacht, Maxwell!
Übersicht: Aristokrates ( Texte/ Biografie) // Zwei Seiten Politsatire // Veröffentlicht am 16. 7. 2004 // Abstract: Straußenkind Max: Kopf in den Sand und das Geld aufs Tarnkonto
 | »Am liebsten den Kopf in den Sand stecken«: Max Strauß bei der Urteilsverkündung | Je höher man steigt, desto tiefer fällt man. Max Strauß, der Sohn des »legendären CSU-Politikers Franz Josef Strauß« (heute, ZDF), war ganz oben. Heute beendete er seinen Sturzflug auf den Boden der Tatsachen – und ist nun ganz unten angelangt.
Rund 2,65 Millionen Euro soll Strauß nach Ansicht des Augsburger Amtsgerichtes vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber erhalten haben. Schreiber, der schon in der CDU-Spendenaffäre eine nicht unwichtige Rolle gespielt hat, überwies die Summe als Provision für Airbus- und Panzergeschäfte auf ein Schweizer Tarnkonto. Zum Verhängnis wurde Max Strauß, dass das Konto origineller Weise »Maxwell« getauft war. Er selbst hatte allerdings von der ganzen Sache nichts gewusst.
 | Alte Bekannte: Karlheinz Schreiber und Maxwell Strauß | »Max Strauß ist Maxwell«, urteilten die Richter auf Grundlage etlicher Beweise. Strauß hatte zwar von Nummernkonto und Provision keine Ahnung. Dummerweise jedoch hatte er vergessen, die entsprechenden Eintragungen aus seinem Terminkalender auszuradieren.
Der Angeklagte selbst nahm es während des gesamten Verfahrens in weiser Voraussicht mit Sophokles: Er zog es vor, zu Dingen, die er nicht verstand, zu schweigen. Diese Haltung hielt ihn allerdings auch davon ab, ein Geständnis abzulegen. Womöglich ganz unbeabsichtigt erleichterte er dem Gericht damit die Urteilsfindung: Während er geständig eine Bewährungsstrafe erhalten hätte, war es den Richtern nun ein Leichtes, ein Urteil nah an den von der Staatsanwaltschaft geforderten dreieinhalb Jahren Gefängnis zu fällen.
 | Ein großer Vogel? Das Maxwell-Konto jedenfalls war nicht sein größter Coup | Er ist am Ende. Die Zulassung als Anwalt hatte Strauß längst zurückgeben müssen, auch aus der CSU hatte er sich mittlerweile zurückgezogen. 300.000 Euro Geldstrafe aus einem anderen verlorenen Prozess konnte er nur mit (finanzieller) Unterstützung von Freunden aufbringen. Und seit einem Jahr ist er in psychiatrischer Behandlung.
Vielleicht hatte sein Verteidiger Wolfgang Dingfelder, der sofort in die Revision ging, doch nicht übertrieben, als er nach der Urteilsverkündung resümierte: »Herr Strauß ist acht Jahre lang geteert und gefedert worden – jetzt wurde er abgeschlachtet.«
Und als wäre das nicht alles schon schlimm genug, lässt die bayerische Opposition ihrer Freude über das vernichtende Urteil freien Lauf. Als hätte er noch ein Hühnchen mit dem frühreren Ministerpräsidenten zu rupfen, fordert der Oppositionsführer Franz Maget, »das gesamte mafiöse Netzwerk« um Franz Josef Strauß und Waffenlobbyisten Schreiber aufzudecken. Gar nicht mehr zurückhalten kann sich die Landeschefin der Grünen, Teresa Schoper: Dass Max Strauß nun ins Gefängnis muss, sehe sie als Gewinn für die politische Kultur für Deutschland. Frohes Schaffen.
 | Sein letztes Politicum? | Sollte Karlheinz sich allerdings schon auf einen längeren Besuch des Maxwell-Erben eingestellt haben, muss er seine Ausflugspläne in der Wahlheimat Kanada, wo auch Strauß ein erhebliches Vermögen haben soll, erst einmal ruhen lassen: Strauß wandert zwar nicht sofort ins Gefängnis, muss aber seine Pässe abgeben, sich jede Auslandsreise vom Gericht genehmigen lassen und wöchentlich bei der Polizei erscheinen. Mindestens für die nächsten eineinhalb Jahre, bis der Bundesgerichtshof in der Sache entschieden hat.
(Sie lasen: Zwei Seiten Politsatire von Aristokrates.)
Ebenfalls von Aristokrates:
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