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Da ganz oben sitzen sie, die UND-Chefs und -Lobbygruppen |
Was in den letzten Wochen durch die Medien ging, soll hier jetzt sachlich und genau offen gelegt werden. Es gibt Streit um den Chefsessel der Redaktion: Wer darf sich den Titel des Chefredakteurs anheften außer dem Chefredakteur selbst? Die nahe liegende Antwort gilt vielleicht in anderen großen Zeitungen, jedoch nicht beim UND-Magazin.
Dreist und unverschämt behauptete der Verfasser des letzten Versammlungsprotokolls, Yoshi, selbst der Knechter der geknechteten Redakteure zu sein. Paul gab der Entrüstung der Opposition die passenden Worte: »Wie jetzt? Achso, ja, weg mit dem Kerl!«
Anschließend ließ er sich von der Pressemeute selbst zum vorläufigen Kanz–, äh, Chefredakteur krönen. Um dem geneigten Leser ein sachlich, klares Bild der momentanen Lage zu geben, seien hier nun einige Auszüge aus den ersten Sitzungen (exklusiv) abgedruckt:
Paul: Ich grüße Sie!
Die Redakteure grüßen zurück.
Paul: Erst einmal will Ich klarstellen, wer hier jetzt das Sagen hat. Nämlich meine Wenigkeit. Gibt es dazu Fragen?
Der Therapeut: Nun ja, ... hüstel ... Nein ... eigentlich nicht.
Sandy: Wann gibt es endlich etwas mehr Kohle?
Paul: WAS WAR DAS? Packt sie!
Schwarze Schergen stürzen hervor und packen Sandy.
Scherge: Was sollen wir mit ihr machen?
Paul: Das Übliche.
Der Therapeut grinst, Yoshi guckt verunsichert.
Paul (wendet sich an die verbleibenden Redakteure): Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja ... Wie regeln wir das Finanzielle? Wer bekommt die Einnahmen und wer zahlt die Ausgaben, Spesen, Subventionen, Trink- und Schmiergelder, Parteispenden etc. pp.?
Ein schriller Schrei unterbRicHt die Sitzung, Sandy ist für einen kurzen Augenblick am Fenster zu sehen. Dann ein unschönes Geräusch, welches an das Platzen einer überreifen Melone erinnert.
Paul: Na?
Der Therapeut: ... UND?
Paul: Ich will mehr Leistung sehen. Ab heute schreibt jeder vier Satiren täglich.
Yoshi: Das ist doch absurd! Bei dem Gehalt!
Der Therapeut: Mein Terminkalender ist auch schon so total ausgelastet. Montags von halb zehn bis elf Uhr Golf, anschließend um 14.35 Uhr teste ich den ersten Jahrgang meines neu angelegten Weingutes in Südfrankreich. Ach, da wollte ich noch einmal anfragen, wie das mit dem Flugzeug aussieht ... könnte ich wohl den Redaktions-Jet für einige Stunden benutzen?
Yoshi: Kommt gar nicht in Frage. Da fliege ich schon in die Staaten. A-ha hat mich eingeladen.
Der Therapeut: Aha.
Paul grinst.
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Begutachtet sein Kompetenzteam: Edmund Rüdiger Stoiber (links) |
Paul: Des Flugzeug is mir. Ich fliege nach München. Edmund hat mich zum Grillen eingeladen.
Der Therapeut: Oh, da würde ich gerne mitkommen. Weniger wegen Edmund, sondern vielmehr wegen seiner Karin. Die Kanzlergattin ist eine hervorragende Köchin und ist auch sonst sehr reizend ...
Der Therapeut lächelt verlegen.
Yoshi: Okay, einigen wir uns darauf, daß wir alle nach München fliegen. Angie
kommt nämlich auch.
Der Therapeut: Angie?
Paul: ... Angela.
Anmerkung der übrigen Redakteure: Paul war so freundlich, unsere Beiträge zu diesem Gespräch einfach zu entfernen. Nach persönlichen Gesprächen mit dem neuen Chef des UND-Magazins wurden wir jedoch davon überzeugt, dass das nur gerecht war und dass unser neuer Herrscher um unser aller Wohl sorgt. Dafür sind wir ihm sehr dankbar und erfüllen ihm natürlich auch sehr gerne seinen Wunsch, ihn dreimal täglich anzubeten.
Die Pressekonferenz:
Paul: Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Edmund, liebe Karin.
Yoshi stürzt nach vorn, vor die Fernsehkameras.
Yoshi (schreit): Nieder mit der Republik! Es lebe Preußen!
RicH: Nein! Das Paradies muss bestehen bleiben!
Tumult entsteht. Die anwesenden Redakteure der »Welt am Sonntag« müssen den Raum verlassen.
Dementia: Schnauze!
Paul (zu RicH): Heul doch.
Yoshi: Ich möchte Ihnen allen mitteilen, dass wir in Zukunft zu über 62 Prozent mehr auf Leserwünsche eingehen. Das ist eine Vorjahresumsatzsteigerung von 13,5 Prozent. Diesen zusätzlichen Leserservice bieten wir ohne Aufpreis an. Man soll nicht sagen können: »Ja, die ... UND? macht auch beim Euro-Teuro mit.« NEIN – nicht mit uns! Wir stehen weiter für gewohnte Qualität zu angemessenen Preisen! Wir stehen weiter zur D-Mark! Komme was wolle! Auf unserem Magazin wird auch in hundert Jahren noch ein D-Mark-Preis zu lesen sein! Dafür stehen wir grade! Das sind wir unseren Wählern und Lesern schuldig! Dieser Dienst am Leser ...
Applaus brandet auf, der angefangene Satz ist nicht mehr zu vollenden.
RicH: Weiterhin wird das UND-Magazin auch auf dem amerikanischen Kontinent zu beziehen sein. Selbstredend nicht in der Landessprache. Ich werde diesen neuen Markt in den Staaten betreuen und auch dort für Qualität und Sicherheit für den Leser sorgen.
Yoshi: Mit diesem neuen Service erreichen wir den Leser noch mehr als bisher. Dadurch erwarten wir selbstverständlich auch einen deutlichen Zuwachs an Konsumenten, die erwartungsgemäß ...
Paul (fällt ihm ins Wort): Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Vielen Dank.
Die Regie blendet Applaus ein.
Paul: Wo waren wir stehen geblieben? Ach nein, verdammt. Auf Wiedersehen.