|
|
|
| |
|  | |
 |

Gesellschaftsspiele, Tee und Drogen
Übersicht: Yoshi ( Texte/ Biografie) // Drei Seiten Kultur // Veröffentlicht am 1. 11. 2002 // Abstract: »Kind, es ist nun an der Zeit, mit dir Gesellschaftsspiele zu spielen!«
 | Wenn das doch nur so einfach wäre! | Die Suchtprävention, insbesondere die Vorbeugung gegen Drogenmissbrauch, beginnt bereits im frühen Kindesalter. Natürlich ohne dass die davon betroffenen Kleinkinder etwas davon merken. Ein Beispiel: Wenn das Kind ungefähr im Alter von fünf Jahren ist, glauben die Eltern, es sei an der Zeit, mit ihm Gesellschaftsspiele zu spielen.
 | Papi gibt sich wieder einen Schuss, ... | Sicher, es muss nicht gleich Monopoly sein, aber über das Niveau von Domino – anno domino 1959 – (bissfeste Pappkarten sowie Bilder von Pinguinen, Löwen, Vögeln und Fliegenpilzen, die nach Möglichkeit allesamt von Dick Bruna gemalt sind) sollte es schon hinausgehen. (Anm. d. Autors: Dick Bruna ist der Autor solch wundervoller Bilderbücher wie Miffi, dem kleinen Hasenmädchen, dessen Geschichten des öfteren vom Sandmännchen ausgestrahlt werden und dessen Name von eher locker erzogenen Kindern oft mit dem von der Aussprache her ähnlichen Wort ›Mistvieh‹ verwechselt wird.)
 | ... Steffen und seine Freunde feiern berauschende Feste, ... | Das Spiel, das von Eltern kleiner Kinder am häufigsten zur Suchtprävention eingesetzt wird, trägt den selbsterklärenden Titel Hasch mich.
Der häufige Einsatz ist drei Dingen zu verschreiben: Erstens haben die meisten Eltern es noch aus Zeiten ihrer Kindheit oder der ihrer Eltern zu Hause herumliegen, zweitens übt das Spiel eine extrem starke Wirkung auf die Kinder aus und drittens sind die Spielregeln dermaßen einfach, dass wir sie gleich hier an Ort und Stelle erklären: Es werden mindestens drei Spieler benötigt, sonst bleibt der Spielspaß auf der Strecke.  | ... Mama und Ina haben Spaß. Spätestens jetzt dürfen sich die Eltern nicht mehr wundern, ... | Ein Spieler ist der »Häscher« (die Sprache ist so alt wie das Spiel), er versucht die übrigen Spieler zu »haschen«. Natürlich müssen diese versuchen, es zu verhindern. Wird ein Spieler ge»Hasch«t ... äh, »gehascht«, gilt die Spielrunde für ihn als verloren. In einem dem Schreiber dieses nicht vorliegenden Begleitheft mit dem Titel »Spielreglement« stehen noch etliche Ergänzungen, die für das Spiel selbst allerdings nicht von Belang sind.
 | ... wenn ihr Jüngster im Garten Päckchen verbuddelt | Eine weitere Methode zur Suchtprävention wurde speziell für Kinder entwickelt, die weniger gern Gesellschaftsspiele als mit anderen Kindern Seeräuber oder am eigenen PC Willy Werkel spielen. Nachdem man vor geraumer Zeit feststellte, dass die meisten Kinder damals (heute ist alles anders) gar nicht so scharf auf Hasch mich waren, dehnte man die Suchtprävention im Alltag kurzerhand auf die Ernährung aus. Denn schließlich konnten die Kinder dem Essen nicht so leicht entgehen. Auch erzählt man von Kindern, die geradezu vernarrt in die Nahrungsaufnahme waren, was natürlich gewisse körperliche Veränderungen mit sich brachte.
 | Umstrittene Werbekampagne (für Zigaretten): »HB? – Ich auch.« | Aus dieser Art der Suchtprävention, über deren Erfolg man sich noch heute streitet, gehen Produkte hervor, die hier kurz Erwähnung finden sollen. Zum Einen wären da die Fertig-Tütengerichte einer Firma die ihr eigenes Kochstudio hat, auf das sie so stolz ist, dass sie es zu jeder erdenklichen Zeit im Fernsehen zeigt. Die Produkte, die nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in anderen Ländern wie zum Beispiel Bayern bekannt (von beliebt war nie die Rede) sind, tragen solch wundervolle Namen wie »Maggi FIX für Nudel-Schinken-Apfel-Sahne-Hackfleisch-Käse-Rot-/ Grünkohl-Kartoffel-Auflauf-Gratin«. Danke Maggi!
 | Miffi gibt es sogar in Japan. Über die dortige Aussprache liegen uns aber leider keinerlei Informationen vor | Zum Anderen sind da die Getränke, die eine ähnlich starke Wirkung auf Konsumenten haben. Allen voran zu nennen: Tee. Mit so unscheinbaren Produktnamen wie FixButte und FixFrüchte bekommt es jeder einmal zu tun.
Übrigens: Das Gerücht, es handele sich bei den Namen um Imperative, wollte der Hersteller nicht bestätigen. Ein Insider ließ uns aber wissen, dass sich oft Eltern beschweren würden, deren Kind die drei Anfangsbuchstaben des Produktnamens auswendig gelernt hätte und nun beim Spazieren in der Fußgängerzone lautstark eigenständig daraus gebildete Substantive und Verben ausrufen würde. Wir geben dies kommentarlos an unsere Leser weiter.
 | Durch Häschenbilder zur Weltberühmtheit: Mit seiner Erfolgsgeschichte überflügelt Dick Bruna sogar Playboy-Gründer Hugh Hefner | Die suchtpräventionierende Wirkungsweise der beiden doch so verschiedenen Produkte ist schnell erklärt: Da das Kind sich später mit Abscheu an diese sogenannten Nahrungsmittel erinnern wird (der Effekt wird durch werksseitig beigefügte Ingredienzien hervorgerufen, die in der Fachsprache Vitamine genannt werden), müsste es theoretisch allen Tätigkeiten und Produktnamen, die eben diese drei Anfangsbuchstaben irgendwo im Wort enthalten, mit der selben Abscheu gegenübertreten.
In der Praxis ist es (natürlich) nicht so. Die Realität zu schildern würde leider die Kapazitäten meines 100 Seiten umfassenden Schreibblockes (DIN A 4, linksseitig geleimt, 8 cm gelocht, kariert) sprengen, deshalb teile ich an dieser Stelle nur noch mit, dass ich mich morgen im Sortiment eines Supermarktes, auf dessen Hinweisschildern wichtige Wörter schwarz hinterlegt sind, nach einer »Kifferia Spritzgusstorte« umsehen werde. Sollte ich ein kleines Kind sehen, werde ich lachen.
(Sie lasen: Drei Seiten Kultur von Yoshi.)
Ebenfalls von Yoshi:
|
|  |
|  | |
|  |
|  | |
 |  |
| Disclaimer / Rechtliche Schutzbestimmungen:
Alle Texte und alle übrigen Inhalte auf dieser Seite sind frei erfundene Begebenheiten, wahre Geschehnisse oder Ereignisse, die leicht abgewandelt wurden. Welche Inhalte frei erfunden sind und welche nicht, spielt für den Leser keine Rolle. Jegliche Ähnlichkeiten mit (noch) lebenden, sterbenden, toten, verwundeten, schlafenden oder dementen Personen sind voll und ganz beabsichtigt. Wer aufgrund seines Gewissens, seines Alters, seiner Religion, seiner Herkunft, seiner Ideologie, seiner Staatsangehörigkeit oder seiner Intelligenz die Inhalte dieser Seite anstößig findet, sollte diese Seite sofort verlassen. Beschwerden, Leserbriefe, Fanpost, Hinweise etc. können nur schriftlich entgegengenommen werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
|
 |

|
|
| |