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Bild: Lieber Mr. Bush

Lieber Mr. Bush


Übersicht: Aristokrates (Texte/Biografie) // Drei Seiten Politsatire // Veröffentlicht am 14. 3. 2003 // Abstract: Ein offener Brief an den dümmsten der 43 bisherigen US-Präsidenten


Vorsicht, Antiamerikanismus!
Antiamerikanismus
Dieser Text darf auf keinen Fall in die Hände von Kindern, Unmündigen und/oder Freunden bzw. Befürwortern der Bush- Administration gelangen! Teilen Sie die Existenz dieses Textes bitte umgehend schriftlich mit:
Honorable Donald H. Rumsfeld,
Secretary of Defense
1000 Defense Pentagon,
Washington, DC 20301
United States of America

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Wenn Sie so lächeln,
kann man Sie einfach
nur liebhaben

Warum tun Sie das eigentlich alles? Das mit Irak und so. Macht Ihnen so was Spaß? Oder haben Sie mal Ärger mit Mr. Hussein gehabt? Haben Sie mal gegen ihn beim Schach verloren? Oder mögen Sie ihn nicht, weil er mehr Waffen zu Haus hat als Sie?


Lieber Mr. Bush, welches Land wollen Sie eigentlich nach dem Irak »befreien«? Nordkorea? Deutschland? Kuba? Wer soll eigentlich im Irak regieren, wenn Sie die halbe Regierung tot- oder die ganze Regierung halbtot schlagen lassen? Das wissen Sie nicht, oder?
Warum nicht Herr Blix? Der ist doch bald praktisch arbeitslos. Denn in anderen Ländern, die Sie angreifen könnten, weil sie (oder Sie?) Waffen besitzen – wie zum Beispiel Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Spanien, die Tschechische Republik, die Ukraine, Ungarn und Weißrussland – werden Sie den alten, hilflosen Herrn Blix ja wohl nicht brauchen.

Einen Kriegsgrund haben Sie, lieber Mr. Bush, ja auch so. Oder besser gesagt, Sie haben keinen. Wozu auch? Damit Sie sich vor den Vereinten Nationen rechtfertigen können? Ach Quatsch! Wer braucht schon Rechtfertigungen? Amerika will Leichen sehen. Menschen, jeder mit einer eigenen (Lebens-)Geschichte, die amerikanische, US-amerikanische Soldaten hingerichtet haben, Männer, Frauen, Kinder. Kranke, gebrechliche, schlafende, behinderte, verletzte, unbewaffnete, wehrlose Menschen. Hauptsache tot. Und mit ein paar Al Kaida-Telefonnummern in den Taschen, bitte. Dann schaffen sie es sogar auf die Titelseiten der Zeitungen in aller Welt. Vor allem in Amerika. Und Sie auch. Und die US-Army.

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Bei so vielen Fragen weiß
auch Ihr Ari keinen Rat

Wie viele Terroristen haben Sie, lieber Mr. Bush, eigentlich schon gesehen? In Echt, nicht im Fernsehen. Und wie viele Terroristen wurden im Zusammenhang mit einem von Ihnen erlassenen Befehl oder Gesetz erschossen? Wie viele von den Terroristen waren Frauen und Kinder? Wie viele Menschen haben Sie schon sterben sehen? Nicht im Fernsehen, vor Ihren Augen!
Seien Sie ehrlich, lieber Mr. Bush – hat Ihr Vater Sie dazu gezwungen, diesen Zweiten Golfkrieg anzuzetteln? Oder seine Frau? Oder Ihre Frau? Oder sollte es gar Ihre mit dem Gesetz in Konflikt stehende Tochter gewesen sein? Sagen Sie es ruhig!

Kennen Sie Osama Bin Laden eigentlich persönlich? Und was ist dran an den Gerüchten, Sie würden sich mit Saddam duzen? Stimmt es, dass Sie angeordnet haben, Saddam dürfe nur hinterrücks erschossen werden? Wie viele Waffen haben Sie eigentlich zu Hause? Haben Sie schon mal einen guten Freund erschossen? Oder hatten Sie etwa keine Freunde?
Wie viele Menschen hatten Sie, lieber Mr. Bush, doch gleich hinrichten lassen, als Sie Gouverneur von Texas waren? Wie viele von ihnen waren doch gleich unschuldig?

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Unterschwellig: Der englische Sprachschatz findet deutliche Worte

Sagen Sie ruhig, wenn ich Ihnen mit meinen Fragen zu nahe trete. Darf ich Ihnen eine Brezel anbieten? Ach, die mögen Sie nicht? Ja, ich erinnere mich. Was kostet Sie, lieber Mr. Bush, eigentlich Ihr Truppenaufmarsch in und um Irak? Bezahlen Sie das eigentlich aus eigener Tasche? Mittlerweile dürfte da ja genug drin sein ...
Bekommen Sie, lieber Mr. Bush, eigentlich finanzielle Zuwendungen von den amerikanischen Ölriesen? Die müssten sich ja freuen, dass Sie so viel Öl erobern. Und gleichzeitig – sozusagen als praktischen Nebeneffekt – auch noch den Frieden sichern.

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Lamentieren Sie nur!

Und das sollen echt alle Gründe für Ihren Krieg sein? Ehrlich gesagt glaub ich es Ihnen nicht. Sind Sie vielleicht neidisch auf Mr. Hussein, weil er doch so tolle Paläste hat und Sie nur ein Camp, das nach irgend so einem Volkshelden aus Nahost benannt ist? Haben Sie wirklich vor, den Irak zu demokratisieren, oder wollen Sie Saddam nur die Paläste wegnehmen? Schauen Sie mal, ein paar Amerikaner haben gesagt, dass es vielleicht dreißig Jährchen dauere, bis Ihre tolle Demokratie im Irak auch überhaupt funktioniert! Überlegen Sie mal – vor dreißig Jahren war Ihr ach so gutes Amerika gerade damit beschäftigt, die atomare Zerstörung des Alten Europas zu planen, nur weil ein paar Ihrer Vorgänger Streit mit den Sowjets hatten. Und jetzt versuchen Sie sich mal vorzustellen, was mit (dann hoffentlich nicht mehr Ihrem) Amerika in dreißig Jahren sein wird.

Nein, lieber Mr. Bush, ich habe genauso wenig Ahnung wie Sie, wie es dann aussehen könnte. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie meine Fragen auch in den nächsten dreihundert Jahren nicht beantworten werden. Wenn Sie meine Meinung dazu hören möchten: Es ist mir eigentlich auch recht egal, ob Sie mir antworten oder nicht. Ich kann es verstehen, wenn ich keine Antworten auf meine Fragen erhalte. Sie sind ja ein viel beschäftigter Mann, schließlich warten dreihundert waffenbesitzende Länder auf ihre »Befriedung«. Und mindestens eines davon auch auf Ihre. Und aus diesem Land schreibe ich zu Ihnen.

(Sie lasen: Drei Seiten Politsatire von Aristokrates.)

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