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Bild: Geiseldrama in Russland effizient beendet

Geiseldrama in Russland effizient beendet


Übersicht: Yoshi (Texte/Biografie) // Drei Seiten Politsatire // Veröffentlicht am 28. 10. 2002 // Abstract: Ein Alptraum: Die Polizei richtet 130 Geiseln und 50 Terroristen hin.


In den letzten Tagen bangten wir alle – manche mehr, manche auch weniger – um die Leben der Tschetschenischen Rebellen, die im Moskauer Musicaltheater ein paar hundert Menschen in ihrer Gewalt hielten. Doch dank der russischen Sondereinsatzkommandos haben wir nun unsere Freunde verloren.

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Rekordandrang beim
Moskauer Musicaltheater

»Alles Quatsch«, sagt der Bonner Giftgas-Experte Werner Homüller in einem Gespräch mit ... UND?. »Die Russen haben den Terroristen einfach eine Million US-Dollar gezahlt, damit die die Geiseln freilassen und so tun, als wären sie erschossen worden.« Auf die Frage, wo denn gerade Russland eine Million herbekommen sollte, gibt der Fachmann allerdings keine Auskunft, er greift sogar zur Schrotflinte seines Urgroßvaters, einem gut erhaltenen Modell aus der Zeit der Französischen Revolution. Aufgrund dieser Tatsache war es unseren Reportern leider nicht mehr möglich, zu erfragen, woran denn dann die über 90 Geiseln verendet seien, die nicht von den Terroristen erledigt wurden.

Der Münchener Terrorexperte Walther Leisnitz ist da schon umgänglicher. Er unterbreitet uns seine »Terrorie«, wie er es nennt, nämlich dass die Geiselnehmer selber tonnenweise radioaktiv verstrahltes Material und Nervengas im Musicaltheater verstreut hätten, um sich vor den russischen Spezialkräften zu schützen. Wir sind von dieser Theorie höchst beeindruckt und wundern uns lediglich, woher die Geiselnehmer denn »radioaktiv verstrahltes Material« bekommen konnten. Aber der Spezialist auf diesem und anderen Gebieten klärt auf: »Schauen Sie sich doch Tschernobyl an! Da liegt so ein Zeug praktisch zur Selbstbedienung auf allen Warentischen!«. Das überzeugt uns.

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Schneller, Genosse!

Um dir, lieber Leser, dennoch die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit mitteilen zu können, fragten wir zusätzlich noch den Moskauer Polizeichef, den Mann, der es ja wissen muss. »Ich kann ihnen dazu leider keine Informationen liefern«, lautet allerdings seine ernüchternde Antwort. Doch gegen eine Flasche Whiskey gibt er einige Informationen preis: »Die Geiselnehmer haben erst ein paar Geiseln, dürften wohl so an die 30 gewesen sein, erschossen, und dann begonnen, sich selbst hinzurichten. Von letzterem konnten unsere Einsatztrupps sie Gott sei dank abhalten. Wir haben das ganze Gebäude mit DDT voll gepumpt, bis das Teufelszeug schon aus den Lüftungsschächten der Kantine kam. Dann sind einige Retter ins Gebäude gestürmt und haben die Terroristen und die verfluchten Tschetschenischen Geiseln erschossen. Dass Menschen bei dem Einsatz zu Schaden gekommen sind, ist mir nicht bekannt. So, und nun machen Sie, dass sie wegkommen, ich hab gestern eine neue Sekretärin zugewiesen bekommen!«

Mit so viel Offenheit von Seiten eines Regierungsangestellten hatten wir wahrhaftig nicht gerechnet. Russlands Neujahrs-Präsident, Wladimir Putin, erklärte Russland könne stolz auf ihn und sich sein und begann den heutigen Staatstrauertag mit einem kräftigen Schluck aus seinem diamantenen Flachmann. Aber das gönnen wir ihm. Schließlich hätte, wie eine Ex-Geisel in einem komplett überfüllten Moskauer Krankenhaus unter Aufsicht eines liebenswerten russischen Generals erklärte, ohne das beherzte Eingreifen des russischen Militärs keine der Geiseln überlebt. Eigentlich kein allzu großer Unterschied zur jetzigen Situation. Schließlich haben ja nicht einmal zehn Prozent derer, die seit Beginn des Geiseldramas ins Theater hineingegangen waren, selbiges auch wieder verlassen.

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Warum trifft es immer die Guten?

Müssen wir Deutschen uns jetzt auch vor solch gefährlichen Übergriffen von tschetschenischen Freiheitskämpfern auf kulturelle Einrichtungen innerhalb deutscher Grenzen fürchten? Eine wie immer nicht repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GEMA ergab, dass nur drei Prozent der Deutschen der Meinung sind, dass die Bundesrepublik nun akut durch tätliche Übergriffe von Terroristen aus dem Osten gefährdet ist. 71 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass wir keine Angst haben müssten, und dass das nächste Ziel terroristischer Angriffe mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit die Vereinigten Staaten von Amerika seien würden. Lediglich 26 Prozent hatten zu diesem kulturellen Thema keine Meinung. Logische Schlussfolgerung: Wir brauchen uns also keine Sorgen zu machen, entweder geht Bush drauf, oder keiner.

Erfreuliche Nachricht am Rande: Mittlerweile konnten alle Geiseln aus dem Musicaltheater in Moskau geborgen werden, über deren Zustand sind sich die behandelnden Ärzte und Gerichtsmediziner allerdings noch nicht einig. Da Russland nicht genügend finanzielle Mittel über hat, um die im Kampfe für das eigene Vaterland gefallenen Geiseln zu bestatten, hat ... UND? in Zusammenarbeit mit der Christlich Demokratischen Union (CDU) ein Spendenkonto eingerichtet. Spenden Sie auf das Schweizer Nummernkonto der Christdemokraten, damit endlich alle Opfer des jüngsten Terroranschlages unter die Erde kommen!

(Sie lasen: Drei Seiten Politsatire von Yoshi.)

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