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Können diese Blicke lügen? |
Für viel Aufregung sorgte dieser Tage ein Tonband, auf dem der Big Boss des internationalen Terrorismus zu Selbstmordanschlägen aufruft. Journalisten des UND-Magazins gelang es, das Band als Fälschung zu enttarnen.
Zufällig entdeckte unser Amerika-Korrespondent RicH beim Durchblättern amerikanischer Presse ein Stellenangebot des Pentagons in der ›Washington Post‹: »Stimmimitatoren gesucht! Bevorzugt Stimmen von Osama Bin Laden, Ariel Scharon oder Saddam Hussein«, hieß es dort. RicH, der als Antiamerikaner von Natur aus misstrauisch ist, alarmierte die Deutsche UND-Redaktion.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, beschloss ich, mich unter falschem Namen auf die Anzeige zu melden und dann nach Informationen zu forschen. Ein kleines Problem: Ich hatte leider die Telefonnummer des Pentagons nicht und die Telekom wollte sie mir partout nicht geben (erst recht nicht, als der Name des UND-Magazins fiel). Aber kein Problem: Der findige Redakteur wählte einfach 001-911 – einfache Nummer eigentlich ...
»Notrufzentrale, guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?«, fragte mich eine Frauenstimme am anderen, am amerikanischen Ende der Leitung.
»Hallo, Joschka Fischer ist mein Name« – Nein, mir fiel nichts besseres ein.
»Ich würde gerne mit dem Pentagon sprechen.«
»Die Rufnummer des Pentagons unterliegt strengster Geheimhaltungspflicht.« Ich will aber!
»Es geht um das amerikanische Volk!«
»Jaja.«
»Die Zukunft Amerikas hängt davon ab!« Warum kapiert die das nicht?!
»Das kann ja jeder sagen! Verzeihung, aber ich glaube, Sie wollen mich zum Narren halten. Ich werde nun auflegen.« Verdammte Hotlines! Na gut, jetzt hilft mir wohl nur noch eine Kurzschlussreaktion.
»NEEEIIIIN! Nicht auflegen! Osam–«
»Es geht um Osama Bin Laden? Oh mein Gott! Warum sagen Sie das nicht gleich?! Ich verbinde!«
Klick. Dann die amerikanische Nationalhymne.
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Auch nicht mehr das, was er mal war: Kofi Annan als Bin Laden |
»Ja, hier Rumsfeld. Bist du es, George?«
»Nein. Mein Name ist Fischer. Ich rufe aus Deutschland an. Joschka Fischer.« – Mist, warum hab ich nicht einfach »Ja« gesagt?
»Deutschland? Sind Sie von der Regierung?« Kurzes Rascheln, dann seine Stimme, gedämpft: »Colin, komm schnell! Die Nazis stecken mit Al Kaida unter einer Decke!«
Eine Stimme aus dem Nebenzimmer, offenbar von Herrn Powell, ertönte: »Al Ka– ... was?«
»Al Kaida. Du weißt schon, Bin Laden und so.«
»Ach, der! Sag das doch gleich!«
Herr Rumsfeld wandte sich wieder an mich: »Hören Sie zu: Amerika ist ein freies Land! Hier kann jeder tun und lassen, was er will. Wir wollen keine Probleme mit euch. Wir tun euch nichts, also lasst uns gefälligst in Ruhe!«
Nazis? Al Kaida? Probleme? Hab ich was verpasst?
»Nein, nein – ich rufe nur an, weil ich an einer Annonce des Pentagons interessiert bin.«
»Ach?«
Der Minister war nicht weniger überrascht als ich selbst.
»Ja. Dort hieß es, Sie würden die Stimme von Bin Laden suchen.«
»Oh, keine Ahnung. Kann sein.«
»Darf man fragen, wofür?«
Wieder raschelte es kurz im Hörer, als ob Herr Rumsfeld seine Hand über die Sprechmuschel gelegt hatte. Von weit her drang das Getuschel der beiden Herrn durchs Telefon. Dann wieder ein kurzes Rascheln, und alsbald verkündete mir die krächzende Stimme des Verteidigungsministers:
»So, ich habe mich eben beim Präsidenten der Vereinigten Staaten erkundigt. Was Sie jetzt hören, behalten Sie bitte für sich.«
Ich nickte zustimmend. Herr Rumsfeld sagte nichts, deshalb fügte ich hastig hinzu:
»Ja ja, sprechen Sie nur. Ich bin ganz Ohr.«
»Also ...«, sagte Herr Rumsfeld.
»Ja, also?«, fragte ich ungeduldig.
»Nun, wir haben die beste Technologie der Welt, unter anderem auf den Gebieten der Video- und Tontechnik. Diese Technik erlaubt uns, Ton- und Videobänder so zu manipulieren, dass wir eine perfekte Fälschung erreichen können. Wir brauchen lediglich eine ähnliche Stimme und nach ein paar Veränderungen singt Saddam unsere Nationalhymne.«
»Toll. Wozu das ganze?«
»Nun, haben Sie von dem Bin-Laden-Tonband gehört, das Al Jazeera gerade ausgestrahlt hat?«
»Selbstverständlich. Man sagt jedoch, es sei nicht echt ...«
»Oh, das Band ist echt – nur der Osama darauf ist es nicht. Haben Sie sich nicht gewundert, warum er der westlichen Welt droht und nicht Amerika?«
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Ohne Worte |
»Eine amerikanische Fälschung also?«
»Exakt. Sie gefallen mir!«
»Darauf kann ich verzichten. Warum ruft der vermeintliche Osama dann zu Selbstmordanschlägen auf?«
»Das beruht auf einem Missverständnis. Sprechen Sie Arabisch?«
»Nein.«
»Sehen Sie? Wir auch nicht. Der Sprecher befindet sich bereits in Guantanamo Bay auf Kuba. Daher suchen wir einen neuen. Hätten Sie Interesse?«
»Meine Stimme hat leider nicht die geringste Ähnlichkeit mit der von Bin Laden.«
»Schade. Naja, macht ja nichts ... Moment mal – warum rufen Sie dann eigentlich an?«
»Soll ich ehrlich sein?«
»Ich bitte darum.«
»Ich arbeite für Israel.«