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Bild: Handbuch für den kleinen Anarchisten

Handbuch für den kleinen Anarchisten


Übersicht: Jeff (Texte/Biografie) // Drei Seiten Tipps und Tricks // Veröffentlicht am 29. 3. 2003 // Abstract: Qualitätsmerkmal: Gerade erst bei ... UND?, schon auf dem Index


Gerade jetzt in Zeiten des Krieges und weltweiten Terrors erscheint es umso wichtiger, gegen brutale Regime, uneinsichtige Militärs und korrupte Regierungen gewappnet zu sein. Wenngleich sich dem Verfasser immer noch nicht offenbaren will, wo man mitten im Alten Europa derartige Missstände auffinden könnte, versucht ... UND? hier mit folgendem kleinen Ratgeber, dem Hobbyanarchisten in seinem Kampf gegen oben genannte Nebenerscheinungen der Demokratie zum Sieg zu verhelfen.

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Diese Aufnahme ist für das Fernsehen viel
zu hektisch; für ein Titelfoto ist das Gesicht
zu schlecht zu erkennen. Achten Sie darauf,
stets ein gutes Motiv abzugeben

1. Korrupte Regierungen
Ist eine Regierung erst einmal korrupt, fällt die Bekämpfung und Herstellung des Ursprungszustandes (über dessen Aussehen sich Anarchisten in aller Welt immer noch nicht einigen konnten) erheblich schwieriger aus. Deshalb ist es hilfreich, möglichst schnell die Korruption einzugrenzen und die Diäten der Politiker einzufrieren. Hierzu empfehlen sich folgende Schritte: Machen Sie die korrupten Anteile des Machtapparates ausfindig. Wie Sie das anstellen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Da erfahrungsgemäß einige Politiker nicht einsichtig werden, sollten diese frühzeitig erkannt und, wie Ihre Diäten, kaltgemacht werden.

2. Widerstand leisten
Die Möglichkeiten Widerstand zu leisten, sind vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Zur Verdeutlichung sei hier eine Auswahl vorgestellt:
  1. Demonstrieren. Diese Möglichkeit ist weiter zu unterteilen in: 1. friedlich, 2. weniger friedlich, 3. tote Polizisten. Als Utensilien lassen sich diverse (Alltags-)Gegenstände zweckentfremden. Aus dem Baseballschläger wird ein schlagkräftiges Argument, aus der entzündeten, benzingefüllten Flasche eine ansteckende Idee. Auch Küchengeräte können – gerade auf kurzer Distanz – Polizisten, Politiker und Unschuldige zu gefügigen Geiseln machen.
  2. Machen Sie Gefangene. Verschanzen Sie sich in geeigneten Gebäuden und machen Sie durch Schüsse und gelegentliche, unfreiwillige Fenstersprünge von Gefangenen auf sich aufmerksam. Achten Sie darauf, sich regelmäßig an den Fenstern zu zeigen – nicht zu lange, denn das könnten speziell ausgebildete Polizeieinheiten ausnutzen, aber auch nicht zu kurz, damit die Presse auf Sie aufmerksam wird (dazu im folgenden Text noch einige wertvolle Hinweise.) Lassen Sie nach den ersten sechs Stunden einige Frauen und Kinder frei.
  3. Verbrennen Sie auf Großveranstaltungen Flaggen, Nahverkehrsmittel, Fahrzeuge von Polizei, Bundesgrenzschutz etc.
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    Mit so einer Szenerie ist Ihnen ein Bericht
    in den Abendnachrichten sicher

    Falls keines der genannten Mittel zur Verfügung stehen sollte, verbrennen Sie sich selbst. Achten Sie dabei in erster Linie auf eine eindrucksvolle Körperhaltung und vermeiden Sie zu viel Rauch, da dieser die Fernsehteams verscheucht und Nahaufnahmen verhindert.
  4. Besetzen Sie Verkehrsknotenpunkte wie große Kreuzungen und Bahnhöfe. Ketten Sie sich an Züge, Schienen oder andere Demonstranten. Legen Sie den Verkehr, politische Treffen und ähnliche Veranstaltungen lahm.
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Das Verbrennen von Müll hingegen
schreckt Journalisten eher ab, als dass
es sie anzieht. Achten Sie also stets auf
den Eindruck, den Sie vermitteln möchten

3. Arbeiten Sie mit den Medien zusammen
Ihre Aktionen können doppelt wirken, wenn Sie mit Presse und Fernsehen zusammenarbeiten. Nehmen Sie Tonbänder auf, in denen Sie mögliche Ereignisse ankündigen. Machen Sie von Ihren Gefangenen unscharfe Polaroid-Fotos und senden Sie diese an größere Tageszeitungen (gegebenenfalls auch an Wochenzeitungen, jedoch ist hier wichtig, dass die Aufnahmen möglichst kurz vor Redaktionsschluss eingehen; andernfalls stellen die Redakteure unpassende Nachforschungen an und interviewen am Ende womöglich noch Ihre Eltern!). Verfassen Sie Bekennerschreiben, in denen Sie Taten zugeben, die Sie nicht begangen haben. (Anmerkung des Autors: Übertreiben Sie es nicht – niemand kann in Obrigheim den Reaktor in Brand setzen und gleichzeitig in Kuala Lumpur eine Polizeistreife vergiften!)
Machen Sie Journalisten, Fotographen und Fernsehteams auf sich aufmerksam, in dem Sie Gegenstände auf Ordnungshüter werfen (Flaschen, Pflastersteine o.ä.). Verbrennen Sie Flaggen nur, wenn eine TV-Kamera der betreffenden Nation direkt auf Sie gerichtet ist. Nur so kommen Sie in die Abendnachrichten.

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Wann und wo immer Sie in Aktion
treten, die Polizei wird sich schon
auf Sie vorbereitet haben.
Sorgen Sie deshalb unbedingt
für Ihre eigene Sicherheit

4. Gefährden Sie sich nicht unnötig
Schützen Sie sich vor Kopfverletzungen mit Motorradhelmen. (Wenn Kameras auf Sie gerichtet sind, klappen Sie das Visier auf!) Ziehen Sie dicke, wasserfeste Parkas an, die schützen Sie vor Schlagstöcken und Wasserwerfern. Für den Fall, dass Tränengas eingesetzt wird, besorgen Sie sich frühzeitig Gasmasken. Diese gibt es in jedem gut sortiertem Bundeswehr-Shop zu kaufen.

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Jüngst erschienen und
demnächst auch in
deutscher Sprache erhältlich:
Das »Kochbuch für den
kleinen Anarchisten«

5. Höflichkeit
Seien Sie trotz aller Aufregung höflich. Wenn Mütter mit Kinderwagen oder ältere Herrschaften in eine Straßenschlacht gelangen, machen Sie Platz, halten eine Tür auf oder nehmen ihnen eine Tasche ab. Ein freundliches Wort wird es Ihnen danken. Wenn sich ein kleines Kind im Getümmel verlaufen hat, bringen Sie es zum nächsten Polizisten. Falls der nicht zwischen brutalen Schlägern und kleinen Kindern unterscheiden kann und handgreiflich wird, halten Sie Ihre immer mitgeführte Videokamera immer direkt darauf. Achten Sie darauf nicht zu sehr zu wackeln, da diese Bilder eventuell noch in einem Prozess Verwendung finden.

6. Bleiben Sie bestimmten Gruppen fern
Geraten Sie nicht in die Nähe von rechts- oder linksradikalen Gruppen. Diese nutzen friedliche Demonstrationen oft aus, um sich mit der Polizei zu schlagen. Grenzen Sie sich deutlich von ihnen ab und versuchen Sie deutlich zu machen, dass Sie Gewalt verabscheuen.

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Polizisten haben eigentlich gar keine Lust,
sich mit Ihnen um einen Straßenzug
oder die Demokratie zu schlagen

7. Polizisten
Vergessen Sie nie, dass Polizisten immer nur ihren Job tun. Polizisten sind viel weniger motiviert als Sie, sie tun nur, was ihnen ihr Chef sagt. Im Gegensatz zu Ihnen bekommen Polizisten aber Geld fürs Prügeln. Laut Interviews macht ihnen das Prügeln aber keinen Spaß.

8. Nie vergessen
Falls Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch einmal vor ein Gericht gestellt werden sollten, merken Sie sich folgende Anarchistenweisheit: Nur Verletzte können später gegen Sie aussagen.


(Sie lasen: Drei Seiten Tipps und Tricks von Jeff.)

Ebenfalls von Jeff:

Bild: Der ganz normale Wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn
Schritt für Schritt erläutert Jeff Ihnen die tägliche Arbeit der Redaktion

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