
Mitschnitte und GesprächsprotokolleDie Tischlersaga (Teil 3) Bitte beachten Sie auch Teil 1 und Teil 2 der »Tischlersaga«.Yoshi: Mich hat die Zahl überrascht. Stephan: Überraschende Zahlen gibt es so einige. Wusstest du, dass Berlusconi hundert Millionen Dollar im Jahr verdient, Herr Schröder allerdings »nur« eine Million?
 | Hat gut Lachen: Medienzar Berlusconi verdient sich eine goldene Nase |
Yoshi: Ja, das hab ich auch schon gehört. Berlusconi steht ja auch an der Spitze eines großen Medienkonzerns. Und du musst natürlich auch bedenken, dass Silvio Berlusconi acht Jahre vor Gerhard Schröder geboren wurde. Stephan: Meinst du, dass Herr Schröder in acht Jahren alle deutschen Sendeanstalten gekauft haben wird? Yoshi: Wer weiß? Stephan: Meine Informanten auf jeden Fall nicht. Yoshi: Viel interessanter als der Blick nach Vorn ist im Zusammenhang mit dem Namen Gerhard Schröder in meinen Augen allerdings der Blick zurück. Denn es gab ja schon einen Politiker Gerhard Schröder, der in Deutschland hohe Ämter bekleidete. Auch wenn es schon einige Jahre her ist. Stephan: Er war ja auch mal beliebt. Das ist auch lange her. Yoshi:  | Armer Schrödi: Sein Gehalt reicht kaum noch aus, um die vielen Autogrammkarten zu bezahlen | Der größte Unterschied zum derzeitigen Bundeskanzler Schröder ist allerdings, dass der andere Gerhard Schröder (1910-1989) nie Bundeskanzler war. Dafür aber erst Innen-, dann Außen- und später Verteidigungsminister. Und eine Zeit lang, wiederum ein paar Jahre zuvor, Mitglied der NSDAP und der SA. Und eigentlich wollte der damalige Schröder 1969, das ist dir sicherlich auch schon bekannt, auch noch Bundespräsident werden. Aber er verlor im dritten Wahlgang mit 506 zu 512 Stimmen gegen Gustav Heinemann in der bisher knappsten Präsidentschaftswahl in der Geschichte der Bundesrepublik. Stephan: Nein, das war mir nicht bekannt. Zu der Zeit musste ich mich wegen – sagen wir mal ... politischen Differenzen – in Südamerika aufhalten. Yoshi: Gut, dann weißt du es jetzt. Stephan: Nun bleibt nur die Frage: Wer hat mehr angerichtet? Yoshi: Oh, die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Stephan: Versuche es. Yoshi: Der ältere Gerhard Schröder, zufälligerweise auch Gründungsmitglied der CDU, setzte zum Beispiel das Verbot der KPD durch. Der heutige Bundeskanzler hingegen verbot sich im März 2004 selbst, der Bild-Zeitung und anderen Produkten des Axel-Springer-Verlags Interviews zu geben. Stephan: Aha, und die Reaktionen? Yoshi:  | Jung, dynamisch und (quasi) ohne NS-Vergangenheit: CDU-Politiker Gerhard Schröder | Die Reaktionen auf beide Schritte sind vergleichbar: In beiden Fällen gab es ähnlich hohen Zuspruch wie Proteste gegen die Verbote. Die Gegner des KPD-Verbots sahen die Gründe für das betreffende Gerichtsurteil im im Kampf gegen die Wiederbewaffnung und für eine Wiedervereinigung Deutschlands und das Eintreten für einen Friedensvertrag. Im Springer-Verlag wertete man das Interviewboykott des Kanzlers als Einschränkung der Pressefreiheit. Stephan: Man kann doch bestimmt noch mehr vergleichen ... Yoshi: Stimmt. Ein noch deutlicherer Vergleich lässt sich beispielsweise in der Amerikafrage ziehen: Der CDU-Mann Schröder trat in seiner Zeit als Außenminister sehr für eine Orientierung an den USA ein. Bundeskanzler Schröder hingegen versicherte den Vereinigten Staaten nach den Terroranschlägen am 11. September zwar seine »uneingeschränkte Solidarität«, lehnte im Jahr 2003 eine Beteiligung am Irakfeldzug von George W. Bush ab, weil dafür das UN-Mandat und ein Zusammenhang mit dem 11. September fehlten. Stephan: Jörg Haider lehnte die Beteiligung auch ab, aber nur weil er mit der Familie Hussein befreundet ist. Einer von Herrn Husseins Söhnen studiert übrigens in Wien. Yoshi: Man höre und staune. Stephan: Und UHBP hat sich überhaupt nicht zum Feldzug geäußert.
 | Kein Idiot: Thomas Klestil, ein Privatmann allererster Güte |
Yoshi: UHBP? Stephan: Unser Herr Bundespräsident. Yoshi: Ach so. Schade, dass er nicht mehr am Leben ist.
Nun, er nahm es wohl mit Lincoln: »Es ist besser zu schweigen und als Idiot verdächtigt zu werden, als zu reden und dadurch alle Zweifel zu beseitigen.« Stephan: Haider hat das Zitat wohl (des öfteren) ignoriert. Yoshi: Er kann ja nicht an alles denken. Stephan: Wohl wahr. Yoshi: Außerdem kann ich mir auch nicht vorstellen, dass er bei seiner deutschnationalen Erziehung viel Wert auf die Worte früherer US-Präsidenten legt. Stephan: Stimmt. Er hat auch was gegen den Westen, meine Informanten suchen gerade nach Terrorcamps in Kärnten. Yoshi:  | Ohne Worte | Worauf willst du hinaus? Stephan: Haider wurde in Oberösterreich geboren. Genau wie Herr H. aus B. in Ö. Yoshi: Den Vergleich halte ich für sehr gewagt. Stephan: Soll ja nicht veröffentlicht werden. Yoshi: Wird aber: Der deutsche Verfassungsschutz schneidet einige unserer Gespräche mit. Unsere einzige Chance, straffrei zu entkommen, besteht darin, dass wir sie vor den Verfassungsschützern veröffentlichen. Deshalb läuft bei mir ja auch ein Tonband. Stephan: Oh. Yoshi: Aber zurück zu Herrn Haider. Stephan: In Ordnung. | Gute Freunde: Irakischer Diktator Jörg Haider und Kärntner Landes- hauptmann Saddam Hussein |
Yoshi: Eine deutlichere Sprache spricht vielleicht eher, dass seine beiden Elternteile Mitglied der NSDAP waren. Stephan: Dafür kann er ja nichts. Yoshi: Da hast du auch wieder Recht. Stephan: Danke. Haider hat so einiges gesagt. Pause.Yoshi: Ich sehe, wir können in dieser Debatte noch viele Stunden weiterreden. Stephan: Zeit, die wir nicht haben. Yoshi:  | Dumme Frage! | Ich schlage deshalb vor, dass wir an dieser Stelle abbrechen und uns Herrn Haider für eine spätere Diskussion wieder zum Thema nehmen. Bis dahin können wir dann ja auch zur thematischen Vertiefung die Literatur »Haiders Kampf« von Hans-Henning Scharsach und »Wollt ihr den totalen Markt?« von Herbert Schui (u.a.) lesen. Stephan: Wir können die nächste Diskussion direkt mit Herrn Haider führen. Yoshi: Was? Stephan: Ja, ich rufe einfach mal bei ihm an und sag Bescheid. Yoshi: Für so etwas hat er Zeit? Stephan: Er hat zur Zeit ja nichts zu tun. Yoshi: Ausgezeichnet. Dann freuen wir uns auf das Gespräch mit ihm und denken so lange über die Worte nach, die er 1995 zu ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS bei einem Treffen in Krumpendorf sagte:
»Dass es in dieser regen Zeit, wo es noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben und die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind. Und das ist eine Basis, meine lieben Freunde, die auch an uns Junge weitergegeben wird. Und ein Volk, das seine Vorfahren nicht in Ehren hält, ist sowieso zum Untergang verurteilt. Nachdem wir aber eine Zukunft haben wollen, werden wir jenen Menschen, den politisch Korrekten, beibringen, dass wir nicht umzubringen sind und dass sich Anständigkeit in unserer Welt allemal noch lohnt, auch wenn wir momentan nicht mehrheitsfähig sind, aber wir sind den anderen geistig überlegen. (...) Wir geben Geld für Terroristen, für gewalttätige Zeitungen, für arbeitsscheues Gesindel, und wir haben kein Geld für anständige Menschen.«
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