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Bild: Mitschnitte und Gesprächsprotokolle

Mitschnitte und Gesprächsprotokolle

Die Tischlersaga (Teil 1)


Das folgende Gespräch wurde im Juni 2004 aufgezeichnet.

Stephan: Ich wäre so gern der Lehrling vom Tod.

Yoshi: Warum das?

Stephan: Ist doch ein Beruf mit Zukunft!

Yoshi: Naja, in Zeiten der (weltweiten) Globalisierung?

Stephan: Wer lebt denn schon ewig?

Yoshi: ... UND?.

Stephan: Gut, das stimmt. Aber eine Statistik beweist: Es gibt mehr Leute die sterben, als Leute, die sich etwas vom Tischler zusammenbauen lassen.

Yoshi: Die gleiche Statistik besagt aber auch, dass der prozentuale Anteil der Tischler, die sterben, und der Tischler, die sich von einem anderen Tischler etwas zusammen bauen lassen, verschwindend gering ist.

Stephan: Verstorbene Tischler sind aber eher die Kunden von Sargfabriken. Falls sie Geld für das Begräbnis hinterlassen haben.

Yoshi: Das Paradoxon: In den meisten Fällen haben Tischler zu Lebzeiten mehr Särge zusammengebaut, als sie danach wirklich brauchen.

Stephan: Nicht unbedingt. Wenn man Bretter in die aufgestellten Särge montiert (die waagrechte Position wird hier von jedem drittem Tischler empfohlen) hat man äußerst dekorative Kästen mit Regalfächern.

Yoshi: Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass jedes Billy-Regal von Ikea einen Sarg vernichtet.

Stephan: Hm?

Yoshi: Gemeint ist hier natürlich ein ungebauter Sarg.
Bild

Dekoratives Sarg-Set aus
Birken- und Buchenfurnier

Stephan: Ich hab zu Hause so einen Billy-Sarg.

Yoshi: Ist bestimmt ein gruseliges Gefühl, Familienfotos in Särge zu stellen.

Stephan: Da fällt mir ein: Damals im wilden Westen hatten die Leute ja wenig. Darum gruben sie die Sheriffs aus, die bei Duellen umgekommen waren, und machten Kanus und Regale aus den Särgen. Dieser Brauch geht auf den alten Kaufmann und gelernten Tischler I. Kea zurück.

Yoshi: Mit sowas konnte man früher bestimmt ziemlich reich werden.

Stephan: Ja, er hat sich damit eine goldene Nase verdient. Einer seiner Söhne ging später nach Schweden, und ein späterer Nachfahre gründete dort eine Softwarefirma.

Yoshi: Ist überliefert, warum sie nicht die Särge der Gangster dafür benutzt haben?

Stephan: Das hat mehrere Gründe. Zum einen haben ja meistens die Gangster überlebt, sonst hätten die Sheriffs ja nicht begraben werden müssen.

Yoshi: Ach so.

Stephan: Und zum anderen war das mit den Gangstern früher etwas merkwürdig. Man sagte, dass sie bei ihrem Tod einfach so verpuffen oder in Flammen aufgehen würden. Und ein paar von ihnen wurden ja auch Präsidenten der USA.

Yoshi: Stimmt, öffentliches Verbrechen (»Public Administration«) hat in den Staaten eine lange Tradition.

Stephan: Du hast es erfasst.

Yoshi: Ich danke dir. Aber eines verstehe ich noch nicht so recht: Wenn man die Särge sowieso wieder ausgegraben hat, warum wurden sie dann vorher eingegraben? Nicht einmal Mozart hat so eine Kiste abbekommen!

Stephan: Dass mit dem Eingraben liegt daran, dass die Leute, die sich früher kein Regal leisten konnten, ja nichts zu tun hatten. Jeder braucht irgendeine Art von Freizeitbeschäftigung.

Yoshi: Und Mozart?

Stephan: Er hat darauf verzichtet. Du weißt ja, wie diese Künstler so sind.

Yoshi: Allerdings, ja. Aber noch mal zum Ein- und Ausgraben: Warum hat man die Kisten dann nicht einfach so, ohne Inhalt, vergraben?

Stephan: Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte niemand die Idee gehabt, eine hygienerische Methode dieses beliebten Spiels zu entwickeln (Dr. Bibber) ... Nur mit der Zeit ist das Ausgraben aus der Mode gekommen.

Yoshi: Aber war es nicht eine gewaltige Wertevernichtung, wenn aus dem Holz erst teure Särge gezimmert werden, in denen sich dann ein schlechter Sheriff häuslich einrichtet – und wenig später wird der Sarg auseinander genommen und in ein billiges Regal umgebaut?

Stephan:
Bild

Geben Sie ihm zwei Minuten

Ach was, der Sarg wurde dem Sheriff vom Gehalt abgezogen. Also nahm der Staat auch keine Schulden auf.

Yoshi: Staatlich bezahlte Särge? Das bringt mich auf eine Idee ...

Stephan: Welche denn?

Yoshi: Nun ja ... Bekommen Sozialhilfeempfänger eigentlich Särge vom Staat gestellt? Regale kriegen sie, das weiß ich.

Stephan: Was soll die Frage? Notfalls werden die Särge eben wieder umgebaut.

Yoshi: Du meinst die Regale.

Stephan: Nein, die Särge werden umgebaut. Und dann werden die Leichen in die Regale gesteckt und in die Donau geworfen.

Yoshi: Warum gerade in die Donau?

Stephan: Damit spart man das Geld für teure Dämme.

Yoshi: War das wiederum nicht die Oder?

Stephan: Nein, eben nicht. Denk nur mal an das Oder-Hochwasser. Die fehlenden Särge waren doch der Auslöser dafür!

Yoshi:
Bild

Der präventive Einsatz von
Regalsärgen hätte dem Steuerzahler
Milliardenkosten erspart

Ach so! Jetzt hab ich es verstanden.

Stephan: Na endlich.

Yoshi: Und mir wird schlagartig klar, weshalb in letzter Zeit oft Särge an der holländischen Küste angeschwemt werden.

Stephan: Das war auch die Absicht der Mitteleuropäer. Aber man muss vorsichtig sein, Al Quaida hat damit gedroht, Terroristen durch die Donau nach Europa einzuschleusen.

Yoshi: Oh, wusste ich noch gar nicht! Gibt es ein Ultimatum?

Stephan: Das ist längst abgelaufen. Sie haben es sogar schon versucht, aber die Turbinen der Kraftwerke haben dazwischengefunkt.

Yoshi: Exodus 7, 20: »Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt.«

Stephan: Glauben diese Terroristen nicht an den Islam?

Yoshi: Schon, aber wir sind hier ja in Europa. Da müssen sie sich halt anpassen.

Stephan: Da hast du auch wieder Recht.

Zum Weiterlesen: »Die Tischlersaga (Teil 2)«.

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